Kriminalität
Jugend-Studie belegt großen Fremdenhass
Rechtsextremismus ist weit verbreitet - Zahl der schweren Delikte aber nimmt insgesamt ab
VON STEFAN SAUER UND HAJO KRÄMER, 17.03.09, 13:34h, aktualisiert 17.03.09, 22:46h
BERLIN/MZ. Rechtsextreme Einstellungen
sind unter Jugendlichen einer aktuellen Studie
zufolge sehr ausgeprägt. So bezeichneten sich
von 44620 befragten Jugendlichen in Deutschland
4,9 Prozent der Jungen und 2,6 Prozent der
Mädchen als "Mitglied rechter Gruppen oder
Kameradschaften". Jeder siebte Neuntklässler
ist ausländerfeindlich. Das berichtete am Dienstag
der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts
Niedersachsen, Christian Pfeiffer. Damit übersteige
die Zahl der Anhänger rechtsradikaler Gruppierungen
unter Jugendlichen die der Mitglieder aller
bürgerlichen Parteien zusammen um mehr als
das Doppelte. Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) äußerte sich tief betroffen:
"Dass die Zahlen hoch sind, war ja bekannt.
Aber dass sie so hoch sind, das hat mich erschreckt."
Die Gesellschaft müsse ihre Präventionsarbeit
intensivieren.
Laut Studie stimmten 29,7 Prozent der in 61
repräsentativen Landkreisen und kreisfreien
Städten männlichen und weiblichen Befragten
der Ansicht zu, es gebe "zu viele Ausländer
in Deutschland". Jeder siebte Jugendliche
wies eine "ausgeprägte ausländerfeindliche
Haltung" auf. Als eindeutig rechtsextrem wurden
5,2 Prozent der Befragten identifiziert, anti-semitisch
äußerten sich 4,3 Prozent der jungen Leute.
Auf eine namentliche Nennung der in die Studie
einbezogenen Kommunen sei verzichtet worden,
um eine Stigmatisierung zu vermeiden, hieß
es.
David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus
des Vereins Miteinander in Sachsen-Anhalt
bestätigt die Trends grundsätzlich für das
Bundesland. Bei nur 1,8 Prozent Ausländeranteil
in Sachsen-Anhalt gebe es unter Jugendlichen
allerdings eine "Fremdenfeindlichkeit ohne
Fremde."
Als positives Ergebnis der bislang größten
Jugendstudie Europas bezeichnete Pfeiffer
den Rückgang der Gewaltdelikte. Sowohl Anzahl
als auch Schwere der Taten hätten zwischen
1998 und 2008 in fast allen Bereichen abgenommen.
Gewalt als Mittel der Konfliktlösung werde
weitaus weniger als noch vor zehn Jahren akzeptiert.
Im gleichen Zeitraum sei die Bereitschaft,
Gewaltdelikte der Polizei anzuzeigen, um bis
zu 50 Prozent gestiegen.
Als wesentliche Ursachen jugendlicher Gewalt
nannte Pfeiffer Übergriffe in Familien, soziale
Ausgrenzung und einen gewalttätigen Freundeskreis.
Als beste Präventionsmaßnahmen gegen Gewalt
bezeichnete der Kriminologe ein hohes Bildungsniveau
sowie eine gelungene Integration von Migrantenkindern.













































