Durchsuchungsaktion
Schlag gegen rechtsextreme Szene
Razzia bei bundesweit 204 mutmaßlichen Händlern verbotener CDs - 45 000 Tonträger gefunden
erstellt 04.03.09, 16:09h

Beschlagnahmte CDs mit rechtsextremem Inhalt liegen auf einem Tisch im Polizeipräsidium in Stuttgart. (FOTO: DDP)
Stuttgart/ddp. Mit einer Durchsuchungsaktion von bundesweit mehr
als 200 Wohnungen und Geschäftsräumen ist Ermittlern am Mittwoch ein
Schlag gegen die rechtsextreme Szene gelungen. Bei 204 mutmaßlichen
Händlern verbotener CDs stellten die Fahnder mehr als 45 000
Tonträger sicher, wie Vertreter von Polizei, Staatsanwaltschaft und
Bundeskriminalamt (BKA) in Stuttgart sagten. An dem Einsatz waren
etwa 800 Kräfte in allen Bundesländern beteiligt. Die Verdächtigen
waren mittels einer Auktionsplattform im Internet ermittelt worden,
auf der rechtsextreme Produkte vertrieben wurden. Als
Verantwortlicher gilt ein 34 Jahre alter Mann aus Baden-Württemberg.
Zu Verhaftungen kam es bislang nicht. Auch der Hauptverdächtige
ist noch auf freiem Fuß. Seine Internetseite war am Nachmittag den
Angaben zufolge noch nicht abgeschaltet. Die beschlagnahmten
Tonträger müssten nun geprüft werden, sagte Norbert Walz vom
Polizeipräsidium Stuttgart. Viele von ihnen enthielten «aggressive,
gewaltverherrlichende, volksverhetzende» und fremdenfeindliche Musik.
Die Verdächtigen seien im Alter von 21 bis 45 Jahren und stammten
«aus allen sozialen Schichten». Genauere Angaben zu den Orten der
Durchsuchungsaktion machten die Ermittler zunächst nicht. Sie
erstellten jedoch eine Grafik, nach der unter anderem Berlin und
Nordrhein-Westfalen stark betroffen waren.
Der Leitende Kriminaldirektor des BKA, Carsten Voß, sagte, eine
derartige Aktion habe es «so in der Bundesrepublik bisher gegen
rechte Musik nicht gegeben». Man habe eine ganze Vertriebsplattform
«aufgerollt». Die Musik diene häufig dazu, Jugendliche «ideologisch
anzufixen». Daher habe die Aktion einen großen Beitrag zur Prävention
gegen den Rechtsextremismus geleistet. Das BKA sei noch weiteren
Vertriebsnetzen rechtsextremer Produkte im Internet auf der Spur und
habe «noch andere Maßnahmen in Vorbereitung», sagte Voß. Er wies
darauf hin, dass der illegale Handel mit den verbotenen Tonträgern
ein lukratives Geschäft sei.
Die Fahnder hatten die Verdächtigen in monatelangen Recherchen
ermittelt. Sie waren bei Internetrecherchen im Jahr 2007 auf eine
Auktionsplattform gestoßen, auf der rechtsextreme Produkte vertrieben
wurden. Seit Bestehen der Internetseite wurden den Angaben zufolge
mehr als zwei Millionen Zugriffe auf die Seite verzeichnet. Bei
Durchsuchungen im September 2007 beschlagnahmten Polizisten
Computerfestplatten und Tonträger und werteten sie über Monate aus.
Dazu wurde eigens eine Arbeitsgruppe eingerichtet.
Bei der Aktion, die am Mittwochmorgen gegen sechs Uhr begann und
noch am Nachmittag andauerte, stellten die Ermittler neben den CDs
über 170 Computer, etwa 180 externe Speichermedien und mehr als 60
Waffen sicher.












































