Magdeburg
Tausende protestieren gegen Rechts
Minister Hövelmann für NPD-Verbot - Rund 1000 Beamte aus fünf Bundesländern im Einsatz
erstellt 17.01.09, 15:56h, aktualisiert 18.01.09, 14:50h

Polizisten haben in Magdeburg Demonstranten eingekesselt, die eine Sitzblockade gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremen durchführen. (FOTO: DPA)
Magdeburg/dpa. Gegen Rechtsextremismus sind am Samstag in
Magdeburg nach Veranstalterangaben rund 5000 Menschen auf die Straße
gegangen. Allein 1000 Besucher wurden nach Polizeiangaben auf einer
«Meile der Demokratie» gezählt, unter ihnen Landtagspräsident Dieter
Steinecke (CDU), Bischof Axel Noack und der DGB-Landesvorsitzende Udo
Gebhardt. Anlass des Protestes war eine Demonstration von
Rechtsextremen, an der laut Polizei am Samstag rund 720 Neonazis
teilnahmen. Etwa 400 Menschen aus dem bürgerlichen Lager und 100
Anhänger der linken Szene blockierten den Aufmarsch der Rechten, wie
ein Polizeisprecher sagte. Mehrere Rechte und Linke seien für kurze
Zeit in Gewahrsam genommen worden.
Rund 1000 Beamte aus fünf Bundesländern waren im Einsatz, um
Extremisten und Gegendemonstranten auseinanderzuhalten. Aus Sicht von
Polizeipräsident Johann Lottmann trug eine flexible Einsatztaktik
entscheidend dazu bei, dass gewalttätige Ausschreitungen verhindert
werden konnten. Nach Polizeiangaben wurden neun Strafanzeigen wegen
Beleidigung, Widerstand und Körperverletzung gestellt. Zudem nahmen
Beamte sieben Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz
und drei wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz auf.
Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD) sprach sich
auf der Demokratiemeile entschieden für ein Verbot der rechtsextremen
NPD aus. Er appellierte nach Angaben eines Sprechers an die Politik,
den Mut für ein Verbotsverfahren gegen die NPD aufzubringen. Der
Minister betonte ebenso wie Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD),
dass in Magdeburg kein Platz für Rechtsextreme sei.
Die Rechtsextremen hatten ihren Aufmarsch aus Anlass der
Zerstörung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg vor 64 Jahren angemeldet.
Rechte Gruppen versuchen seit Jahren, das Gedenken an die Bombenopfer
für ihre Zwecke zu missbrauchen.
Zu einer «Meile der Demokratie» hatten die Stadt und ein Bündnis
gegen Rechts aufgerufen. «Die rund 100 Stände boten Möglichkeiten der
Information und wurden auch zur lebhaften Diskussion genutzt»,
bilanzierte Thomas Weber vom Bündnis gegen Rechts am Sonntag in einer
Mitteilung. Rund 25 Künstler und Musikgruppen gestalteten auf vier
Bühnen ein buntes Programm. Mit einer Menschenkette um das Alte
Rathaus setzten zudem Stadträte und Mitarbeiter der Stadt ein Zeichen
für Demokratie und Toleranz.
Die Idee der Meile sei aufgegangen, erklärte Weber. «Es konnten
auf diesem Weg deutlich mehr Bürger für unser Anliegen gewonnen
werden als in der Vergangenheit. Wir haben damit agiert, anstatt zu
reagieren.» Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Wulf
Gallert, sagte, immer wieder gelte es, Neonazis entschieden mit
Engagement, Entschlossenheit und Zivilcourage entgegenzutreten.



































