Dessau-Roßlau
Vor vier Jahren verbrannte Asylbewerber in Polizeizelle
Einwohner und Freunde gedenken am Jahrestag Oury Jalloh
erstellt 07.01.09, 07:51h, aktualisiert 07.01.09, 12:51h

Nach dem Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh wurde der Brand zum wiederholten Mal nachgestellt. (FOTO: DPA)
Dessau-Roßlau/dpa. Vier Jahre nach dem Tod des Asylbewerbers
Oury Jalloh hat die Stadt Dessau-Roßlau am Mittwoch mit Glockengeläut
und einer Schweigeminute an das Schicksal des Afrikaners erinnert.
Dem Aufruf von Oberbürgermeister Klemens Koschig (parteilos) folgten
Vertreter des Landgerichts, der Polizei und der Stadtverwaltung. Der
23 Jahre alte Jalloh war auf den Tag genau vor vier Jahren bei einem
Feuer in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben gekommen. Die Richter
hatten im Dezember zwei Polizisten, denen die Staatsanwaltschaft eine
Mitschuld am Tod des Mannes aus Sierra Leone vorgeworfen hatte,
freigesprochen. Das hatte zu heftigen Protesten, so von
Menschenrechtsorganisationen, geführt.
Während der Gedenkveranstaltung wurde eine mit den
Stadtratsfraktionen abgestimmte Erklärung verlesen. «Darin wird das
Bedauern über den tragischen Unglücksfall ausgedrückt - und darüber,
dass das Prozessende nicht so war wie gewünscht», sagte Stadtsprecher
Carsten Sauer. Der Oberbürgermeister verpasste die von ihm initiierte
Schweigeminute aufgrund einer Autopanne wegen der Minusgrade, sagte
Sauer. Eine Initiative zum Gedenken an Jalloh hatte für den
Nachmittag eine Demonstration angekündigt.
Die Internationale Liga für Menschenrechte schloss sich zum
Todestag Forderungen nach einer unabhängigen Expertenkommission an,
die die Umstände des Todes untersuchen soll. Die migrationspolitische
Sprecherin der Linken im Bundestag hatte am Dienstag die Einrichtung
eines solchen Gremiums gefordert, das Fälle von Polizeiübergriffen
untersuchen und aufklären soll. «Das muss die Lehre aus dem zur Farce
verkommenen Ermittlungsverfahren im Fall Jalloh sein», sagte die
Abgeordnete Sevim Dagdelen. In vielen europäischen Ländern gebe es
solche Gremien bereits.












































