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Lieder und Skulpturen rütteln auf

Esther Bejarano und Samuel Willenberg sind Überlebende aus Konzentrationslagern

erstellt 15.03.09, 20:10h, aktualisiert 15.03.09, 20:38h
Esther Bejarano
Esther Bejarano war Mitglied im Mädchenorchester des KZ Auschwitz. Ihr Lieder sind klingende Anklagen des Naziregimes. (FOTO: L. SEBASTIAN)
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DESSAU/MZ/UWO. "Musik als Lebensretter", so heißt nicht nur ein Film, den das AJZ in Zusammenarbeit mit Esther Bejarano produzierte, diese drei Worte beschreiben auch ihre Lebens- und Leidensgeschichte sehr deutlich. Esther Bejarano wurde 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz / Birkenau deportiert und für das Mädchenorchester ausgewählt. Dies rettete ihr das Leben. Esther selbst hat die Erlebnisse bis heute nicht verarbeitet. Es ist ungeheuerlich, dass sie musizieren musste, während tausende Menschen dem sicheren Tod entgegengingen.

Sie versucht mit Hilfe ihrer Musik eine Brücke zwischen Vergangenheitsbewältigung und zukunftsgerichteter antifaschistischer Aufklärung zu schlagen. "Die Menschen sollen wissen, was damals passiert ist. Wenn man das mit Musik macht, hat man die Chance, nicht nur Gleichgesinnte zu gewinnen, sondern auch Menschen, die nicht so genau Bescheid wissen".

Am Samstagabend eröffneten sie und ihre Band Coincidence in der Marienkirche die Ausstellung "Kunst der Erinnerung" von Samuel Willenberg und sangen Lieder in den Sprachen Jiddisch, Hebräisch, Spanisch, Griechisch, Türkisch, Englisch, Deutsch. Viele Texte entstanden in den Konzentrationslagern selbst. Dies machte sie für die Zuhörer zu einem besonderen emotionalen Erlebnis.

Esther lebt heute in Hamburg und engagiert sich aktiv gegen Rassismus und Faschismus. Auf Demonstrationen ist sie häufig die Hauptrednerin. Als Zeitzeugin versucht sie den Menschen verständlich zu machen, dass Ausgrenzung der Anfang vom Ende ist.

Die Besucher in der Marienkirche waren beeindruckt von der kleinen Frau mit der großen Stimme. An diesem Abend gibt es viel Hoffnung, dass es doch viele Menschen gibt, die sich anderen Kulturen annähern möchten. "Man möchte einfach mal tiefer gehen und der Kultur nicht nur oberflächlich nahe kommen", sagt die Besucherin Martina Scherff. Auch Evelyn Hosni sieht das so. "Es ist schön, auch mal andere Musik kennen zu lernen."

Die erschreckenden Folgen von Ausgrenzung zeigt die Kunst von Samuel Willenberg, der das Vernichtungslager Treblinka überlebte. Seine beeindruckenden Bronzeskulpturen sind noch bis zum 28. März in der Marienkirche zu sehen. Mit seinen Plastiken versucht er, den Menschen Szenen aus Treblinka nahe zu bringen, wobei das tatsächliche Grauen dieses Lagers kaum zu verdeutlichen ist. Es lässt sich nur erahnen wie stark sich das Erlebte in Samuel Willenbergs Psyche gebrannt hat. Jede der Skulpturen löst Bestürzung aus. Und trotzdem oder gerade deswegen ist es eine gute Möglichkeit, um den Menschen die Unmenschlichkeit des NS- Regimes zu verdeutlichen. "Sie sind beeindruckend", meint etwa Doris Grozdanovicova.


    
    
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