Merseburg
Über 70 Katzen aus Haus befreit
Hilfsaktion rettet verwahrloste Tiere - Vorwürfe gegen Veterinäramt
VON ELKE JÄGER, 08.02.09, 15:44h, aktualisiert 09.02.09, 10:21h
MERSEBURG/MZ. In einer kurzfristig geplanten und doch spektakulären Aktion haben Katzenfreunde aus ganz Deutschland und der Schweiz am Sonnabend mehr als 70 Maine-Coone-Katzen, darunter fünf trächtige, von einer ehemaligen Züchterin aus einer Gemeinde in der Aue (Verwaltungsgemeinschaft Leuna-Kötzschau) abgeholt. "So etwas war noch nie da gewesen", erklärt Eva Schulze, eine Züchterin aus der Nähe von München, gegenüber der MZ. "Aber die Hilfsaktion war unbedingt nötig."
Bereits zwei Wochen zuvor hatte Frau Schulze nach einem spontanem Besuch bei der Katzenhalterin die Behörden im Saalekreis wegen der unzulänglichen Zustände dort alarmiert (die MZ berichtete). Schon damals hatten sie und andere Züchter angeboten, die Tiere zu sich zu nehmen.
Das Veterinäramt des Saalekreises hatte zwar unmittelbar nach der Anzeige eine unangemeldete Kontrolle durchgeführt, jedoch außer der Erteilung von Auflagen nichts unternommen. Nach Angaben des Amtes hätten sich über 20 Katzen im Haus aufgehalten, hieß es in einer Presseinformation. Es seien Mängel bei der Pflege, dem Ernährungs- und Gesundheitszustand sowie hygienische Mängel festgestellt worden. Eine Wegnahme von Tieren erfolgte nicht. Inwieweit danach noch einmal Kontrollen erfolgten, konnte die MZ nicht in Erfahrung bringen. Am Freitag war für die MZ beim Veterinäramt niemand zu erreichen.
Am Sonnabend trafen sich dann elf Maine-Coon-Züchter und Tierfreunde auf dem Parkplatz in Günthersdorf. Zwei von ihnen fuhren stundenlang hin und her und holten die Tiere ab. In den Autos stapelten sich die Transportkörbe. Die Miezen blieben ungewöhnlich ruhig, kuschelten sich aneinander. "Die meisten sind krank und schlecht ernährt", seufzte Martina Roth aus der Nähe von Frankfurt / Main. Sie hatte mit einer befreundeten Züchterin bereits wenige Tage zuvor schon Katzen abgeholt. "Wir haben lange mit der Frau gesprochen", schilderte sie. "Sie hat eingesehen, dass sie Hilfe braucht."
Diesen Eindruck hat auch Eva Schulz. "Sie hat es nicht mehr im Griff gehabt und war bereit, Hilfe anzunehmen", betont sie. Deshalb versteht die bayrische Züchterin das Veterinäramt nicht. "Das war fahrlässig, dass da keiner eingegriffen hat", steht für sie fest. Ein Anwalt werde sich des Falls annehmen. Die Katzen sind nun bei Züchtern oder Pflegestellen untergebracht und sollen, wenn sie sich erholt haben, in liebevolle Hände abgegeben werden. Für die dringend nötige Behandlung und Betreuung hoffen die Züchter auf Spenden.
Maine Coon Hilfe e. V.; Raiffeisenbank. Roth-Schwabach; BLZ 76460015;
Konto 526193













































