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Sammler fühlen sich kriminalisiert

Kongress: In Halle wollen die deutschen Numismatiker die Alarmglocken läuten

VON DETLEF FÄRBER, 14.01.09, 18:14h, aktualisiert 14.01.09, 19:36h
Ulf Dräger
Ulf Dräger zeigt einen Gulden aus dem Jahr 1669. Stücke wie diese werden heute für cirka 200 Euro gehandelt. Dieser Wert entspricht womöglich nur der einstigen Kaufkraft dieser wunderbaren Münze. (FOTO: LUTZ WINKLER)
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HALLE/MZ. Schon der Reformator Melanchthon hat historische Münzen gesammelt und zuvor der Dichter Petrarca - Goethe natürlich auch, ebenso wie hierzulande und heutzutage Zehntausende einfache Leute. Unter ihnen ist auch ein Rentner aus dem thüringischen Eisenberg. Der hat kürzlich im Internet vier Münzen ersteigert. Kurz darauf gab es bei dem bislang unbescholtenen Mann eine Hausdurchsuchung, die mit der Beschlagnahme seiner kompletten Sammlung endete.

Nachrichten wie diese gibt es in jüngster Zeit etliche. Sie sind das große Thema bei der Konferenz der deutschen Numismatiker, die in zehn Tagen in Halle beginnt. Ulf Dräger, der Chef des Landesmünzkabinetts in der Moritzburg und zugleich Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst ist, weiß, was insbesondere seit Inkrafttreten der "Verordnung über das Verzeichnis wertvollen Kulturgutes nach dem Kulturgüterrückgabegesetz" vom vergangenen September so alles passiert ist.

Sein Fazit: "Wenn das so weiter geht, dann können wir einpacken." Die Regelung, die laut Mitteilung des Bundespresseamts "die unrechtmäßige Einfuhr von Kulturgut verhindern soll", habe "trotz lobenswerter Absicht in kurzer Zeit schon zu erheblichen Kollateralschäden geführt", meint Dräger. Die Sammler seien völlig verunsichert. Mit ihrem bislang als löblich erachteten Hobby fühle sich die Szene nun kriminalisiert und unter Generalverdacht.

Deshalb sollen nun bei der Konferenz in Halle kräftig die Alarmglocken geläutet und mögliche Auswege aus der Krise beraten werden. Denn eine ganze Kultur stehe hier auf dem Spiel. Schließlich, so Dräger, sei "das Sammeln und Bewahren doch jene entscheidende Kulturleistung, ohne die fast alles Schöpferische immer gleich wieder in Vergessenheit geraten, also folgenlos geblieben" wäre.

Der springende Punkt an der neuen Regelung sei, dass außer von den aus dem Ausland eingeführten Kulturgütern auch bei solchen, die über 100 Jahre alt sind, die Herkunft nun lückenlos dokumentiert werden muss. Doch genau dies mute bei der Mehrzahl der kleinen Sammler illusorisch an, weil der Grundstock ihrer Sammlungen in der Familie weitergegeben wurde, so dass die Umstände des ursprünglichen Erwerbs meist nicht mehr zu ermitteln seien.

Diese Probleme hätten übrigens nicht allein die Sammler von Münzen und Medaillen. Es träfe, ebenso auf Philatelisten oder Grafik-Sammler zu - sowie auf die Besitzer fast aller vererbten Kleinodien mit ihren oftmals mehr ideellen als nennenswert materiellen Werten. Die Freude an solchen Stücken - zu der auch ihr Austausch gehört - darf, so meint Dräger, "nicht plötzlich einer behördlichen Regulierungswut zum Opfer fallen".


    
    
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