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Initiative will unabhängige Kommission

150 Demonstranten protestieren in Dessaus Innenstadt

VON ANNETTE GENS, 07.01.09, 19:13h, aktualisiert 07.01.09, 19:36h
Eine Demonstration
Vor dem Polizeirevier endete am Mittwoch eine Demonstration im Gedenken an Oury Jalloh. (FOTO: LUTZ SEBASTIAN)
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DESSAU-ROSSLAU/MZ. "Oury Jalloh - das war Mord" - diese Rufe waren Mittwochnachmittag in Dessaus Innenstadt vielfach zu hören. Mit einer Kundgebung gedachte die "Initiative im Gedenken an Oury Jalloh" dessen vierten Todestages. Jalloh verbrannte am 7. Januar 2005 in einer Gewahrsamszelle des Dessauer Polizeireviers.

Der Zug von rund 150 Kundgebungsteilnehmern bewegte sich am Nachmittag vom Hauptbahnhof in Richtung Landgericht, an der Stele von Alberto Adriano im Stadtpark vorbei zur Museumskreuzung. An verschiedenen Punkten - auch an der Friedensglocke und später vor dem Dessau-Roßlauer Polizeirevier - wurden die Rufe laut und lauter.

Wut und Enttäuschung über die langwierigen Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft und nicht zuletzt über das Urteil des Landgerichtes, das zwei angeklagte Polizisten aus Mangel an Beweisen von einer Mitschuld am Tod des afrikanischen Asylbewerbers freisprach, klangen am Mittwoch mit. Auf Transparenten und in Sprechchören kritisierte die Initiative den Freispruch von zwei Polizeibeamten. Oury Jalloh sei einem rassistisch motivierten Verbrechen zum Opfer gefallen, hieß es. Auf einem der Transparente war zu lesen "Rassistische Gewalt trägt Uniform und Robe".

Dass der Afrikaner sich selbst angezündet habe, sei eine Lüge, die von allen staatlichen Stellen unterstützt worden sei. "Wir haben für Jallohs Tod keine Erklärung, keine Wahrheit und keine Gerechtigkeit erfahren", sagte ein Sprecher der Initiative, als der Zug das Polizeirevier in der Dessauer Wolfgangstraße erreicht hatte. Schon zuvor hatte die Initiative bekannt gegeben, dass man sich um eine unabhängige Kommission - unabhängig von Polizei und dem deutschen Staat - bemühen wolle, die die Umstände des Todes von Oury Jalloh aufklären solle. Eine entsprechende Petition sei in Arbeit.

Jalloh war am 7. Januar 2005 nach Ausbruch eines Feuers in einer Zelle des Dessauer Polizeireviers gestorben. Der zuvor wegen Belästigung festgenommene Asylbewerber soll die Matratze seiner Zelle angezündet haben, obwohl er an Händen und Beinen gefesselt war. Eine Rekonstruktion der Fesselung ergab, dass der Afrikaner für das Entzünden des Feuers genügend Bewegungsfreiheit hatte. Zwei angeklagte Polizeibeamte waren im Dezember 2008 vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung beziehungsweise der Körperverletzung mit Todesfolge freigesprochen worden. Das hatte zu Tumulten im Gerichtssaal und zu einer öffentlichen Diskussion geführt. Dem Dienstgruppenleiter war vorgeworfen worden, nicht schnell genug auf das Signal des Feuermelders in Jallohs Zelle reagiert zu haben. Der mitangeklagte Beamte soll das Feuerzeug bei dem Afrikaner übersehen haben.


    
    
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