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Bayern

Polizeichef von Passau wird niedergestochen

Mannichl außer Lebensgefahr - Ermittler vermuten Racheaktion wegen mehrerer Einsätze gegen Rechtsextreme

erstellt 14.12.08, 16:36h
Alois Mannichl
Polizeidirektor Alois Mannichl während einer Pressekonferenz im Oktober 2006 in Passau (Bayern). Mannichl ist vermutlich von einem Rechtsextremisten niedergestochen worden. (FOTO: DPA)
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Passau/dpa. Der Chef der Passauer Polizei ist vor seinem Wohnhaus durch die brutale Messer-Attacke eines mutmaßlichen Neonazis schwer verletzt worden. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach am Sonntag von einer neuen Dimension rechter Verbrechen in dem Bundesland. Polizeidirektor Alois Mannichl war am Samstagabend an der Tür seines Hauses in Fürstenzell bei Passau von einem glatzköpfigen Mann niedergestochen worden. Die Ermittler vermuten eine Racheaktion wegen mehrerer Polizeieinsätze gegen Rechtsextremisten im Raum Passau, die der 52 Jahre alte Beamte in den vergangenen Monaten geleitet hatte.

Mannichl wurde deswegen insbesondere im Internet von Extremisten scharf kritisiert. Trotz einer Großfahndung in Niederbayern und dem angrenzenden Österreich konnte der Täter zunächst nicht gefasst werden. Sollten sich die bisherigen Ermittlungsergebnisse bestätigen, sei das «eine Eskalation der Gewalt», betonte Innenminister Herrmann. Bislang sei es nicht vorgekommen, dass Polizisten auch privat gezielt von Rechtsextremisten verfolgt werden.

Ähnlich äußerte sich auch der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Er forderte härtere Strafen für Angriffe auf Polizisten. Jede Gewalttat gegen einen Polizisten müsse eine Haftstrafe nach sich ziehen, sagte Wendt in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Wir müssen Gewalt gegen Polizisten tabuisieren.»

Der etwa 1,90 Meter große Unbekannte hatte Mannichl an der Tür seines Reihenhauses in der Dunkelheit aufgelauert, ihn zunächst mit nationalistischen Parolen beleidigt und ihm dann ein Messer in den Bauch gerammt. Die elf Zentimeter lange Klinge verfehlte das Herz nur knapp. «Das ist eine Sache von zwei Zentimetern gewesen», berichtete Herrmann. Nach einer Notoperation ist der Polizeichef außer Lebensgefahr. Die Ärzte hoffen, dass Mannichl zu Weihnachten wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden kann. Das Opfer und seine Familie wurden unter Polizeischutz gestellt.

In Passau hatte es in diesem Jahr mehrere Polizeiaktionen gegen die rechte Szene gegeben. Im Juli hatten Rechte nach der Beerdigung eines ehemaligen Neonazi-Funktionärs in der Stadt randaliert und mehrere Menschen angegriffen. Bei der Beisetzung wurde auch eine Hakenkreuzflagge in das Grab geworfen. Die Polizei ließ später das Grab öffnen und die Fahne entfernen.

Zuletzt hatte die NPD dem Polizeidirektor vorgeworfen, dass er bei einer Gedenkveranstaltung während des Volkstrauertages am 16. November Mitglieder der extremistischen Partei «belästigt» habe. Konkrete Hinweise auf eine Gefährdung des Polizeichefs hat es nach Angaben der Ermittler aber bislang nicht gegeben.

Die bayerische SPD-Landtagsfraktion forderte nach dem Attentat ein entschlossenes Handeln gegen Neonazis im Freistaat. Die Vize- Fraktionschefin Johanna Werner-Muggendorfer äußerte sich bestürzt darüber, dass Mannichls Eintreten für den Rechtsstaat mit einem Mordanschlag vergolten worden sei. Innenminister Herrmann kündigte in der «Passauer Neuen Presse» (Montag) bereits Konsequenzen an. Der Staat werde es sich nicht bieten lassen, dass Sicherheitskräfte anscheinend eingeschüchtert werden sollen. «Da müssen wir uns offensichtlich auf ganz neue Gefahren gefasst machen.» Herrmann schloss nicht aus, dass das Verbrechen zu einer neuen Diskussion über ein mögliches Verbot der NPD führen kann.

Mannichl konnte nach dem Anschlag noch selbst seinen Kollegen Hinweise auf den Täter geben. Bisher wird nach Polizeiangaben zwar in alle Richtungen ermittelt, nach den ersten Erkenntnissen wird eine rechtsextremistische Tat aber als die wahrscheinlichste Version angesehen. Der Täter soll bei dem Attentat zu dem 52-Jährigen gesagt haben: «Viele Grüße vom nationalen Widerstand.» Anschließend warf der Mann das Messer in der Nähe weg und fuhr mit einem Auto davon. Die Polizei schließt nicht aus, dass in dem Wagen ein Komplize wartete.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen versuchten heimtückischen Mordes. Die Passauer Kriminalpolizei setzte eine 20- köpfige Sonderkommission ein.

Die Gewalttat in Passau ist nicht der erste Mordanschlag von Rechtsextremisten auf Polizeibeamte in Deutschland. So hatte 1997 ein bekannter Berliner Rechtsextremist bei einer Kontrolle auf einem Autobahn-Parkplatz beim schleswig-holsteinischen Mölln einen 34 Jahre alten Streifenbeamten erschossen, sein 31-jähriger Kollege wurde schwer verletzt. Der damals 24 Jahre alte Täter wurde später zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt.


    
    
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