Lokalausgaben SaaleKurier - Halle/Saalekreis AnhaltKurier - Dessau-Roßlau Ascherslebener Zeitung Bernburger Kurier Bitterfelder Zeitung ElbeKurier - Wittenberg, Gräfenhainichen, Jessen ElbeKurier - Wittenberg, Gräfenhainichen, Jessen Köthener Zeitung Mansfelder Zeitung - Eisleben, Hettstedt Neuer Landbote - Merseburg, Querfurt Quedlinburger Harz Bote Sangerhäuser Zeitung Weißenfelser Zeitung - Weißenfels, Hohenmölsen Zeitzer Zeitung Naumburger Tageblatt
Lokalausgaben

Seien Sie live dabei! Plus: Alle wichtigen Fußball-Tabellen!

Verpassen Sie keine Entscheidung in der 1. und 2. Bundesliga, der 3. Liga, im DFB-Pokal, der Champions League, der Europa League und in der Formel 1.
mz-web.de
RSS    |    Bildschirmschoner    |    mz-web.de mobil
Schriftgröße kleinSchriftgröße mittelSchriftgröße groß
Topthemen
Der Fall Jalloh

Rätselraten vor Prozessende

Landgericht sagt erneut Verhandlungstermin ab - Wird Verfahren eingestellt?

VON ANTONIE STÄDTER, 04.12.08, 11:59h, aktualisiert 04.12.08, 21:02h
Gedenken an Oury Jalloh
Gedenken an Oury Jalloh: Der Mann aus Sierra Leone starb am 07. Januar 2005 in Polizeigewahrsam. (Foto: dpa)
Bild als E-Card versenden Bild als E-Card versenden
DESSAU-ROSSLAU/MZ. Für die Prozessbeteiligten im Fall Oury Jalloh könnte der kommende Montag "ein langer Tag" werden, sagt Gerichtssprecherin Regine Förger. Denn nachdem das Landgericht Dessau-Roßlau auch einen für Freitag geplanten Termin abgesagt hat, müssen an jenem letzten anberaumten Verhandlungstag sechs Plädoyers gehört werden, bevor ein Urteil gesprochen wird - von Staatsanwaltschaft, zwei Verteidigern und drei Nebenklägern. Und das zu einem Prozess, der sich über gut eineinhalb Jahre hingezogen hat.

Zwei Polizisten wird vorgeworfen, mitschuldig am Tod des 23-jährigen Asylbewerbers aus Sierra Leone zu sein, der im Januar 2005 beim Brand in einer Dessauer Polizeizelle starb. Einer der beiden soll nicht in der gebotenen Eile auf Rauchwarnmeldungen reagiert und der zweite ein Feuerzeug bei Jalloh übersehen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Körperverletzung mit Todesfolge sowie fahrlässige Tötung durch Unterlassen vor. Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe im Wesentlichen.

Es könnte am Montag aber auch ganz anders kommen, wie Prozessbeobachter spekulieren. Die wiederholte Terminabsage kann demnach bedeuten, dass das Gericht eine Einstellung des Verfahrens anstrebt. Bereits am Dienstag hätten die Plädoyers der Anklage gehört werden sollen. Nach einem Gespräch aller Prozessbeteiligten war der Termin verschoben worden. Es gebe Gesprächsbedarf zwischen den Nebenklägern und ihren Mandanten, hieß es. Zu Inhalten hatte man Stillschweigen vereinbart.

Auch am Donnerstag wollte sich weder das Gericht noch die Anklage dazu näher äußern. "Am Montag wissen wir alle mehr", sagte Nebenklage-Vertreter Felix Isensee. Momentan gehe er davon aus, dass ein Urteil gesprochen wird. "Alles andere wäre eine Überraschung", sagte Attila Teuchtler, der einen der beiden angeklagten Polizisten vertritt. Auch, wenn es nicht die erste in diesem Verfahren wäre. So waren zunächst sechs Verhandlungstage vorgesehen - beinahe sechzig sind mittlerweile vergangen.

Marco Steckel vom Dessauer Netzwerk gegen rechte Gewalt, der den Prozess von Beginn an verfolgt hat, meint: "Eine Einstellung würde zu diesem Verfahren passen." Zumal es zunächst "keiner gewollt" habe: Zwei Jahre hatte es gedauert, bis die Anklagen in dem Fall zugelassen wurden.

Er hoffe aber weiterhin, dass es einen "vernünftigen Abschluss, also ein Urteil" geben wird. "Ansonsten würden auch die Mängel, die es bei dem Fall in der Polizeiorganisation gegeben hat, nicht mehr zur Sprache kommen", befürchtet er. Menschenrechtler hatten wiederholt die ihrer Ansicht nach unzureichende Aufklärung des Feuertodes von Jalloh beklagt.


    
    
Anzeige
TOP
Print- und Online-Impressum | Datenschutzerklärung | Haftungsausschluss