Sachsen-Anhalt
Prozess um Feuertod von Jalloh vor Ende
Landgericht Dessau-Roßlau: Plädoyers und Urteil werden bald erwartet
erstellt 28.11.08, 16:42h

Gedenken zum dritten Todestag von Oury Jalloh - Asylbewerber aus Sierra Leone starb am 07. Januar 2005 in Polizeigewahrsam. (Foto: dpa)
Dessau-Roßlau/dpa. Knapp vier Jahre nach dem Feuertod des
Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Polizeizelle steht der Prozess
gegen zwei Polizisten am Landgericht Dessau-Roßlau vor dem Abschluss.
Ein Rechtsmediziner bestätigte am Freitag erneut die Todesursache des
Mannes, teilte ein Sprecher des Gerichts mit. Jalloh war laut
Obduktion bei dem Brand Anfang Januar 2005 an einem Hitzeschock
infolge der extrem heißen Brandgase gestorben. Den Angaben zufolge
sollen am Dienstag (2.12.) die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und
der Nebenklage, am 5. Dezember die Plädoyers der Verteidigung
gehalten werden. Das Urteil sei am 8. Dezember geplant.
Der Fall hatte im In- und Ausland für Aufsehen sowie für Proteste
gesorgt. So hatten Menschenrechtler die Ermittlungen und das
Vorgehen der Justiz als schleppend und unzureichend kritisiert.
In dem seit eineinhalb Jahren laufenden Prozess müssen sich zwei
Polizisten wegen Körperverletzung mit Todesfolge beziehungsweise
fahrlässiger Tötung - in beiden Fällen durch Unterlassen -verantworten. Der frühere Dienstgruppenleiter soll den Brandmelder
aus der im Keller des Polizeireviers gelegenen Gewahrsamszelle
ignoriert und Jalloh nicht rechtzeitig geholfen haben. Der zweite
angeklagte Polizist soll zuvor bei der Durchsuchung des 23 Jahre
alten Asylbewerbers aus Sierra Leone ein Feuerzeug übersehen haben.
Der Afrikaner soll das Feuer trotz Fesselung an Händen und Füßen
in der gekachelten Zelle mit einem Feuerzeug selbst ausgelöst haben.
Dazu soll er die Matratze, auf der er lag, angezündet haben. Beide
Angeklagte bestreiten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft im
Wesentlichen. In dem seit März 2007 dauernden Prozess hat das Gericht
eine Vielzahl von Zeugen teils mehrfach befragt, darunter Polizisten
wegen des Verdachts der Falschaussage. Der Brand in der Zelle wurde
mehrfach von einem Gutachter im Institut der Feuerwehr
Sachsen-Anhalt nachgestellt und analysiert.
Jalloh war Anfang Januar 2005 in Gewahrsam genommen worden, weil
er im Stadtgebiet von Dessau mehrere Frauen bei ihrer Arbeit als
Ein-Euro-Jobberinnen belästigt und Widerstand gegen die Polizei
geleistet haben soll.



































