Leipzig
Allein unter strickenden Frauen
Klemens Ketelhut ist der einzige Mann im Leipziger Strickcafé - Bundesweit einmaliger Treffpunkt
VON Susann Huster, 24.11.08, 11:11h, aktualisiert 24.11.08, 13:57h

Klemens Ketelhut strickt im Strickcafé in Leipzig. Das Leipziger Kreativ- und Strickcafe hat sich zu einem deutschlandweit einzigartigen Treffpunkt für Strickfans entwickelt. (FOTO: DDP)
Leipzig/ddp. Klemens Ketelhut aus Leipzig strickt, wann
immer ihm danach zumute ist: in der Kneipe, auf Partys oder im Zug
zur Arbeit nach Halle. Täglich mindestens drei Stunden verbringt der
33-Jährige mit seinem Lieblingshobby. Schon morgens nach dem
Aufstehen schwingt er erst einmal seine Stricknadeln und trinkt dazu
einen Tee. Da er mit einer solchen Leidenschaft strickt, war es nur
eine Frage der Zeit, bis er auf das Leipziger Kreativ- und Strickcafé
gestoßen ist.
In diesem bundesweit einmaligen Treffpunkt für Strickfans aller
Couleur ist Ketelhut zwar der einzige Hahn «unter vielen verrückten
Hühnern», doch das stört ihn absolut nicht. «Ich fühle mich nicht als
Exot», sagt er junge Mann, schnappt sich seine halbfertige Socke samt
Nadeln und mischt sich unters strickende Volk. Es ist Mittwoch, der
Hauptstricktag in dem gemütlichen Café.
So wie Ketelhut sind die meisten Gäste von dem Café total
begeistert. «Wir werden glühend beneidet», berichtet Andrea Rolle,
die den Treffpunkt für Strickfans im Mai 2007 gemeinsam mit Christine
Manitz eröffnet hat. Seitdem ist er täglich montags bis samstags
geöffnet. Es wird gequatscht, Kaffee oder Tee getrunken, gehäkelt,
geschneidert - und natürlich vor allem gestrickt, was Nadeln und
Hände hergeben. Finanziert wird das Ganze über Mitgliedsbeiträge,
Strickkurse sowie den Verkauf von Wolle oder selbst gefertigten
Sachen. «Wir sehen uns als Interessengemeinschaft», sagt Manitz, die
seit ihrem fünften Lebensjahr diesem Hobby frönt und es alles andere
als altmodisch findet. Schließlich gebe es immer wieder neue Trends.
Derzeit ist die gerade entwickelte Hundertwasser-Wolle der neueste
Schrei. «Das ist Wolle, die von den Farben her den
Hundertwasser-Bildern nachempfunden wurde», erklärt Manitz. Sie zeigt
ein Paar bunte Socken, deren Farben dem Bild «Straße zum Sozialismus»
des österreichischen Künstlers entliehen wurden. Auch Fusselwolle sei
derzeit ein großer Renner, sagt die Strickcafé-Initiatorin, die mit
ihrem Projekt auch schon zweimal auf der Leipziger Messe «Modell,
Hobby, Spiel» mit einem eigenen Stand vertreten war.
«Das Stricken wird teilweise belächelt, aber es wird immer
beobachtet, wenn man strickt», weiß Andrea Rolle aus Erfahrung. Sie
schreibt in einem eigens eingerichteten Internet-Blog ein Tagebuch
mit Fotos, damit die Strickfans außerhalb Leipzigs immer wissen, was
im Strickcafé los war. Dieser Blog werde sogar in Italien oder
Schweden gelesen, denn Strick-Anhänger aus diesen Ländern hätten auch
schon persönlich in dem kleinen, kreativen Laden vorbeigeschaut. In
Köln gebe es zwar einen Strickladen, der Treffs anbietet, berichtet
Rolle. Ein weiteres Strickcafé wie das in Leipzig sei ihr in
Deutschland aber nirgendwo bekannt.
Socken scheinen - mit oder ohne Hundertwasser-Farben - der Renner
in der illustren Strickrunde zu sein. Die meisten haben schon etliche
Paare davon gefertigt, die gern von der Familie, Kollegen und
Freunden getragen werden. Auch Klemens Ketelhut trägt nur selbst
gestrickte Socken. «Ich finde das nicht schwer. Es ist nur ein
Mythos, wenn man hört, dass die Ferse schwierig zu stricken ist»,
stellt er klar. Stricken - das sei ein bisschen wie Autofahren:
Irgendwann hat man's raus. Da er bisher immer nur Socken, Schals,
Stulpen und andere Kleinteile gestrickt hat, wolle er sich nun an
etwas Größeres wagen, sagt der Mann mit den geschickten Fingern. Eine
Strickjacke sei sein erklärtes Ziel. Die Wolle dafür habe er schon
gekauft.
So weit ist Irena Stuckert noch lange nicht. Sie macht gerade
einen Kurs und hält ein kleines Stück ihrer ersten Socke in den
Händen. Seit September kommt die 23-Jährige ins Strickcafé und hat
viel Spaß dabei. «Ich fand dieses Hobby eigentlich schon immer toll»,
sagt die junge Frau, die ihren Freunden aber vorsichtshalber nichts
von ihren ersten Erfahrungen mit Nadeln und Wolle erzählt hat.
Irgendwie habe das Stricken einen altmodischen Touch. «Es sieht aber
total schön aus», schwärmt die junge Frau, die ganz fest an ein
großes Comeback des Strickens glaubt.












































