Projekte gegen Diskriminierung
Die Sekundarschule Hagenberg trägt jetzt den Titel «Schule ohne Rassismus»
VON RITA KUNZE, 13.11.08, 17:32h, aktualisiert 13.11.08, 20:56h

Ein Trommelkurs an der Sekundarschule Hagenberg. FOTO: DETLEF ANDERS (FOTO: DETLEF ANDERS)
GERNRODE/MZ. Die Sekundarschule Hagenberg in Gernrode hat den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" erhalten. Sie ist in diesem Jahr die 26. Schule in Sachsen-Anhalt, die diesen Titel verliehen bekam, so die Landeszentrale für politische Bildung, die ein wachsendes Interesse an dem Projekt feststellt. 2007 seien es lediglich zehn Schulen gewesen, sagt Referatsleiterin Andrea Kreie.
Die Titelverleihung wurde mit einem Projekttag gefeiert, an dem sich alle Klassen mit Themen wie Kinderrechte und Zivilcourage beschäftigten, afrikanisch kochten und Fünftklässler einen Trommelkurs besuchten. Der einstige Gernröder Bäcker Herbert Hecht berichtete den Schülern von der Zeit seiner Kriegsgefangenschaft in Sibirien. Ein Jahr lang hatten sich Schüler- und Lehrerschaft in Gernrode darauf vorbereitet und verschiedene Projekte ins Leben gerufen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Zu den drei Paten, die die Schule in Zukunft unterstützen wollen, gehören neben Bürgermeister Detlef Kunze und dem CDU-Landtagsabgeordneten Ulrich Thomas auch die Metal-Rocker der Quedlinburger Band "Isolated". "Seit 15 Jahren setzen wir uns in unseren Texten mit Rechtsradikalismus, Gewalt und ihren Folgen auseinander. Es ist wichtig, dass Jugendliche die Welt kritisch betrachten", sagt Bandmitglied Jenny Keune. Für Ulrich Thomas ist der Titel ein klares Signal nach außen. Er wünschte den Schülern, dass sie dieses Prinzip in den nächsten Jahren beibehalten und auch den folgenden Schülern vermitteln.
Die Bedeutung einer humanistischen Erziehung unterstrich der Bürgermeister: "Humanistisch denken, demokratisch entscheiden und die Meinung anderer anhören" seien die Grundpfeiler der Gesellschaft. Als Ethiklehrer müsse er immer wieder staunen, wie wenig Schüler wüssten über moralische Werte und deren Hintergründe, sagte Detlef Kunze.
In der Gernröder Sekundarschule hatte sich vor einem Jahr zunächst eine Schülerinitiative gegen Diskriminierung gegründet. Danach wurde das Projekt "Schule ohne Rassismus" gestartet; 78 Prozent der Schüler haben sich mit ihren Unterschriften zu einer Schule ohne Rassismus bekannt. Auch die Schulordnung setze deutliche Signale, sagt Projektleiterin Heidrun Henning, und das beziehe sich auf alle Bereiche: "Thor-Steinar-Kleidung wird bei uns nicht geduldet." Sie gilt als Markenzeichen der rechten Szene.
Das nächste Projekt ist für das Frühjahr geplant. Dann werden die Musiker mit den Schülern über die rechte Musikszene reden und aufzeigen, wie Musik für die Verbreitung rassistischer Gesinnung instrumentalisiert wird.























