Flughafen Tempelhof schließt nach 85 Jahren
erstellt 30.10.08, 15:18h

Passagiere vor der Haupthalle des Flughafens Berlin-Tempelhof. (Archivfoto) (FOTO: DPA)
Berlin/dpa. Hunderte Berliner und Touristen haben am Donnerstag mit einem letzten Besuch Abschied vom Flughafen Berlin-Tempelhof genommen.
Sie stellten am Abfertigungsgebäude Grablichter auf, machten Fotos oder reihten sich trotz strömenden Regens für einen Sonderstempel der Post in lange Schlangen ein. Auch auf dem Flugfeld herrschte Hochbetrieb: Etliche Flugzeuge starteten zu Rundflügen über die Stadt, bevor um Mitternacht der Flugbetrieb für immer eingestellt werden soll. Für den Abend ist eine Abschiedsfeier mit bis zu 800 geladenen Gästen geplant. Gegner der Schließung haben dagegen Proteste angekündigt.
Ein Airbus A319 landete mit Gästen aus Köln, eine Sondermaschine kam aus dem lettischen Riga, wie ein Flughafensprecher berichtete. Bis zum Abend sind noch vier Linienflüge von Tempelhof nach Mannheim geplant - der letzte um 21.50 Uhr. Gegen Mitternacht sollten ein historischer «Rosinenbomber» und eine «Tante Ju» von der Startbahn abheben. Mit dem Parallelstart der Flugzeug-Oldtimer endet der Flugbetrieb für immer.
Nach 85 Jahren wird der älteste Verkehrsflughafen der Welt zugunsten des künftigen Hauptstadtflughafens in Schönefeld geschlossen, der Ende 2011 in Betrieb gehen soll. Für den Linienverkehr hatte Tempelhof zuletzt kaum noch Bedeutung. Was aus dem Gebäude und dem riesigen Flugfeld am Rande der Innenstadt wird, ist noch ungewiss.
Vor den vergitterten Eingängen zur Haupthalle bildeten sich den ganzen Tag über große Menschentrauben. Wegen des Aufbaus der Bühne für die Abschiedsfeier durften nur Passagiere und Personal das Herzstück des Flughafens betreten. Wer noch ein letztes Foto vom Innern des einst größten Gebäudes der Welt schießen wollte, musste sich mit einem Bild aus der Ferne begnügen. Bei vielen der extra angereisten Besucher löste diese Entscheidung der Flughafenleitung Unverständnis aus.
Nach Ansicht des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) eröffnet das Ende des Flughafens Tempelhof neue Perspektiven. «Jeder Abschied ist auch ein Neuanfang», sagte Wowereit nach Senatsangaben. «Das Flughafengebäude wird nicht leer stehen, sondern weiter genutzt werden, und auf dem großen Freigelände ergeben sich neue Möglichkeiten einer zukunftsträchtigen, innenstadtnahen Stadtgestaltung.» Das Gebäude bleibe ein Symbol für den Freiheitswillen der Berliner. Wowereit sagte: «Es wird auch künftig ein Ort der Erinnerung an die Luftbrücke sein, mit der während des Kalten Krieges die totale Blockade West-Berlins verhindert werden konnte.»












































