Staatsmann
Vorstellung der Castro-Bibel
Rotbuch-Verlag präsentiert Memoiren des «Maximo Lider» in kubanischer Botschaft
VON Mey Dudin, 22.10.08, 16:20h, aktualisiert 22.10.08, 21:44h
Berlin/ddp. Kurz nach Mitternacht appellierte Fidel Castro an
den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez. Er solle das Leben
seiner Leute schützen, mahnte Kubas Staatschef bei einem Telefonat.
«Opfere sie nicht, opfere auch Dich nicht.» Es war der 12. April 2002
und Chavez hatte sich nach einem gegen ihn gerichteten Staatsstreich
mit mehreren hundert Anhängern im Präsidentenpalast verschanzt.
Im Interview mit dem Journalisten Ignacio Ramonet erinnerte sich
Castro genau an diese Ereignisse. «Ich hatte nicht den geringsten
Zweifel, dass Chavez binnen kürzester Zeit auf den Schultern seines
Volkes und seiner Truppen zurückkehren würde», sagte er. Ramonet gab
diese und andere Anekdoten aus dem Leben des «Maximo Lider» in
Frage-Antwort-Form auf fast 800 Seiten wieder. Vorangegangen waren in
drei Jahren mehr als 100 Stunden Interview - meistens nachts. Nun ist
das Buch mit dem Titel «Fidel Castro - Mein Leben» auch auf deutsch
erschienen.
Der Programmchef des Rotbuch-Verlags, Moritz Kienast, beschrieb
das autorisierte Werk am Mittwoch bei der Vorstellung in der
kubanischen Botschaft in Berlin als Mischung aus Memoiren und
Abenteuerroman. «Man liest es wie die Bibel», sagte er. Nicht von
Anfang bis Ende, sondern man springe - je nach Interesse - von einer
Stelle zur anderen. Es sei aber auch «keine Heiligenschrift», betonte
er. Schließlich stelle Ramonet eine Reihe kritischer Fragen. Befragt
wird Castro etwa zu Menschenrechten, der Verhaftung von Dissidenten
und der Todesstrafe.
Der kubanische Botschafter in Deutschland, Gerardo Penalver
Portal, sagte, über Castro sei bereits viel geschrieben worden.
Ramonet aber habe ihm erstmals selbst das Wort übergeben. Und
anstelle der gewohnten «langen Reden» zu politischen Themen, könnten
die Leser Castro nun auch als Mensch nahekommen. In Kuba sei die
Nachfrage daher groß. Das Buch gebe es dort zu einem «sehr
bescheidenen Preis».
Beim Rotbuch-Verlag zeigte man sich derweil «glücklich», dieses
«wichtige Buch» im Programm zu haben. Der Vertrieb sei ihm ein
«Herzensanliegen», sagte Verleger Matthias Oehme. «Ich habe mir nicht
vorstellen können, dass wir das Buch überhaupt kriegen.» Die
Präsentation in der kubanischen Botschaft sei dem Verlag «sinnvoll
und geeignet» erschienen.
So endet die Präsentation auch mit einem Blick auf den Erzfeind
USA. Castro habe im Amt neun US-Präsidenten überlebt, hob
Verlags-Mitarbeiter Kienast hervor. Einen habe er geradezu verehrt:
John F. Kennedy. Kienast sagte, es habe in dessen Amtszeit bereits
Annäherungsversuche zwischen Kuba und den USA gegeben. Aber dann kam
das Attentat auf Kennedy.
Eine mögliche neue Chance für bessere Beziehungen sieht
Botschafter Portal nach den bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen.
Er rechne damit, dass die künftige Administration gezwungen sein
werde, die langjährige Wirtschaftsblockade aufzuheben. Der
demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama sich zudem
bereits zu Gesprächen bereiterklärt.
Der Rotbuch-Verlag konnte indessen auch über eigene Erfahrungen
mit dem Embargo berichten. So hätten Bücher die Außenstelle der
kubanischen Botschaft in Bonn nicht erreicht, weil der beauftragte
Kurier - ein US-Unternehmen - sich geweigert habe, in das
«exterritoriale Gebiet» zu liefern.
(Ignacio Ramonet: «Fidel Castro. Mein Leben», Rotbuch Verlag,
2008, 29,90 Euro, ISBN 978-3-86789-038-0)




































