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Landkreis Wittenberg

Brunnen ist nicht mehr flüssig

Der Jessener Mineralwasser-Hersteller Troy Aqua ist pleite

VON STEFFEN HÖHNE, 16.10.08, 17:18h, aktualisiert 16.10.08, 20:40h
Mineralwasser
Der Mineralwasser-Hersteller Troy-Aqua in Jessen steht vor dem Aus. (Foto: dpa)
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JESSEN/HALLE/MZ. "Wir haben bisher keinen einzigen Tag die Investition bereut." Solche Sätze waren von Steven Gamble in der Vergangenheit öfter zu hören. Heute würde dies dem ehemaligen Chef des Mineralwasser-Produzenten Troy Aqua aus Jessen (Landkreis Wittenberg) wohl nicht mehr über die Lippen kommen. Der Mineralbrunnen mit rund 220 Beschäftigten - davon 160 in Jessen - musste Insolvenz anmelden. Die Umstände, die dazu führten, sind fragwürdig.

Der Engländer Gamble, der in Luxemburg lebt, investierte 2002 auf der grünen Wiese in einen neuen Brunnen. Rund 40 Millionen Euro haben Gamble und seine Investoren nach eigenen Angaben insgesamt aufgebracht. Nach MZ-Informationen überwies das Land rund acht Millionen Euro an Fördermitteln. Und zunächst liefen die Geschäfte auch ordentlich an. Innerhalb weniger Jahre wuchs Troy Aqua zu einem großen deutschen Brunnen mit rund 300 Millionen Füllungen pro Jahr. Den Vertrieb übernahm die Münchner Gesellschaft Aqua Montana. Das Geschäft wurde vor allem mit großen Handelsketten abgewickelt. So stellten die Jessener, die seit 2006 auch einen Standort in Sittensen (Niedersachsen) besitzen, für Edeka und Rewe Eigenmarken her.

Ende 2007 kappten Aqua Montana und Troy Aqua ihre Geschäftsbeziehungen. Die Jessener nahmen den Vertrieb in die eigene Hand. Doch das Geschäft mit dem Billigwasser, das im Handel für 19 Cent pro 1,5 Literflasche angeboten wird, ist margenschwach. Laut Fachmagazin "Inside Getränke" verkaufte Troy Aqua die 1,5-Liter-Flasche für 10,5Cent. Andere große Hersteller sollen dies "Harakiri"-Preise genannt haben. Gamble verteidigt gestern gegenüber der MZ die Preispolitik: "Dies sind die üblichen Marktpreise." Doch leben konnte der Brunnen davon offenbar nicht. Nach MZ-Informationen fielen allein in den vergangenen acht Monaten Verluste von 5,7 Millionen Euro an. Gamble will dies nicht kommentieren.

Vor knapp drei Wochen wechselte dann Troy Aqua teilweise die Besitzer: Gamble verkaufte nach eigenen Angaben an eine Unternehmensgruppe unter Führung des Geschäftsmanns Rolf Sauer. Er betreibt unter anderem das Hotel "Bergwirtschaft" in Dresden. Auf der Troy-Aqua-Internetseite wird Sauer als geschäftsführender Gesellschafter genannt. Sauer selbst bestreitet dies. "Der Kaufvertrag wird angefochten", sagte er gestern der MZ. "Nach Einblick in die Bücher musste ich feststellen, dass Troy Aqua überschuldet ist." Warum Sauer nicht vor dem Kauf die Bonität prüfte, bleibt unklar. Der Firma ist es laut Sauer nicht gelungen, "steigende Energie-, Rohstoff- und Transportkosten an den Handel weiterzugeben." Am 6. Oktober meldete Sauer Insolvenz an, am 8. Oktober stellte er die Produktion ein. Die Großkunden Edeka und Rewe sind bereits auf andere Hersteller ausgewichen.

Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der hallesche Rechtsanwalt Volkhard Frenzel. "Priorität hat die Erhaltung von Arbeitsplätzen, Standort und Vermögenswerten", sagte Frenzel. Er prüfe derzeit das Unternehmen und werde sich am Montag äußern. Es hätten sich schon potenzielle Käufer aus der Branche gemeldet.

Aqua Montana hat bereits die Hand gehoben. "Wir haben Interesse, den Jessener Brunnen zu übernehmen", sagte Robert Boese. Geschäftsführer bei Aqua Montana.



    
    
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