Sachsen-Anhalt
Geldverschwendung bei Spielbank-Gesellschaft
Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler: Kosten von mehr als einer Million Euro
erstellt 09.10.08, 14:15h, aktualisiert 09.10.08, 16:56h

Drei Spieler sitzen an Videoautomaten Bingo in der Spielbank Sachsen-Anhalt in Halle/Saale. (Foto: ddp)
Magdeburg/Berlin/dpa. Die landeseigene Spielbank GmbH in
Sachsen-Anhalt ist für den Bund der Steuerzahler ein besonders
drastisches Beispiel für die Verschwendung von Steuergeldern. Mehr
als eine Million Euro sei damit bislang «verspielt» worden, heißt es
in dem neuen Schwarzbuch der Organisation, das am Donnerstag in
Berlin vorgestellt wurde. Darin werden noch drei weitere drastische
Beispiele für wenig sorgsamen Umgang mit Steuergeldern in Sachsen-Anhalt genannt: der Landessportbund, der geplante Saale-Ausbau und
ein städtisches Altenpflegeheim in Magdeburg. Das Schwarzbuch nennt
bundesweit 119 Beispiele.
«Die Landesregierung vermutete Mitte der 90-er Jahre bei ihren
Landeskindern einen starken Spieltrieb, den es zu kanalisieren galt»,
heißt es in der Kritik zu den Spielbanken. Schon damals habe man sich
gefragt, was eine Spielbank-Gründung mit öffentlichen Aufgaben zu tun
habe. Im Lauf der Jahre seien dann in dem Land mit hoher
Arbeitslosigkeit die Zahl der Glücksspieler und die Höhe ihrer
Einsätze mehr und mehr geschmolzen; bis die Insolvenz der Spielbank
drohte.
Sachsen-Anhalts Finanzministerium bewertete die Aussagen des
Steuerzahlerbundes als einseitig. «Der Bericht unterschlägt, das seit
1993 bis zum 30. April 2008 an den drei Spielbanken des Landes
insgesamt etwa 66 Millionen Euro an Spielbankabgabe erlöst wurden»,
sagte ein Sprecher in Magdeburg.
Im März diesen Jahres entschied sich die Koalition zum Verkauf der
drei Spielbanken in Magdeburg, Halle und Wernigerode. «Egal, ob die
Spielbank GmbH noch in diesem Jahr den Besitzer wechseln wird, doch
noch in Insolvenz geht oder weiterspielt: So oder so ist mehr als
eine Million Euro verspielt, Folgekosten noch nicht eingerechnet»,
heißt es im Schwarzbuch.
Zur Finanzkrise des Landessportbundes (LSB) meint der
Steuerzahlerbund: «Über zehn Jahre lang überwachte das
Sozialministerium nicht, ob das viele Geld für die Sportförderung
auch wirklich dem Sport zugute kam.» Nur so habe sich ein
undurchsichtiges Netzwerk von verschachtelten Gesellschaften und
Abhängigkeiten entwickeln können.
Der Landesrechnungshof hatte bereits zu hohe Gehälter,
undurchsichtige Verflechtungen und Beteiligungen, mangelnde interne
Kontrolle und Pannen bei der Aufsicht im LSB kritisiert. Als
Konsequenz hatte Sozialministerin Gerlinde Kuppe (SPD) den Verband
entmachtet und die Sportförderung vorübergehend in die Zuständigkeit
ihres Ministeriums übertragen.
Der geplante Saale-Schleusenkanal bei Tornitz (Salzlandkreis)
sorgt bereits seit vielen Jahren für Streit. Der Steuerzahlerbund
pflichtet nun den Kritikern bei. «Bei einer dreistelligen
Millionenausgabe fängt offensichtlich im milliardenschweren
Bundesverkehrshaushalt das Abwägen zwischen Aufwand und Nutzen noch
nicht an. Wohl unter die Rubrik "Kleinigkeiten" scheinen dort 100
Millionen Euro zu fallen. So viel soll der Kanal mittlerweile
kosten.» Mit dem 7,5 Kilometer langen Kanal soll die Saale von Halle
bis zur Mündung in die Elbe deutlich länger als jetzt für
Transportschiffe befahrbar sein.
Die Stadt Magdeburg habe mit ihrem 2005/06 neu geschaffenen
Altenpflegeheim «Am Luisengarten» mindestens 700 000 Euro in den Sand
gesetzt, hieß es weiter. Bereits Ende 2007 sei die Einrichtung von
der Heimaufsichtsbehörde wieder geschlossen worden - wegen
gravierender Mängel im Pflegebereich. Die von der Stadt für 2,7
Millionen Euro erworbene Immobilie stehe seither leer und der
Unterhalt des Gebäudes verursache unnötige Kosten. Auf dpa-Anfrage
wurde eine Stellungnahme von der Kommune für Freitag angekündigt.












































