Verkehr
Behörden wollen «russisch Roulette» an A 38 beenden
Südharz-Autobahn: Neuer Zaun soll das Betreten der Fahrbahn verhindern
VON FRANK SCHEDWILL, 16.10.08, 16:26h, aktualisiert 17.10.08, 08:07h

Polizist Axel Dietrich an der Stelle bei Sangerhausen, an der Unvernünftige immer wieder über die Südharz-Autobahn laufen. (Foto: Steffi Rohland)
SANGERHAUSEN/MZ. Polizei, Autobahnmeisterei und Stadtverwaltung reagieren auf das Überqueren der Südharz-Autobahn (A 38) durch Fußgänger. In den nächsten drei Wochen soll ein etwa 200 Meter langer Zaun an der Anschlussstelle Sangerhausen Süd gesetzt werden, um das Betreten der Fahrbahn zwischen der Baumschule und dem Gelände des Restpostenmarktes zu verhindern.
Hintergrund sind eine ganze Reihe derartiger Vorfälle seit Jahresbeginn. Die Autobahnpolizei musste zu insgesamt zehn Einsätzen ausrücken. "Selbst Kinder nutzen den Weg über die Autobahn immer wieder als Abkürzung", sagt Stadtsprecherin Marina Becker: "Ihr Ziel ist es offenbar, schneller zum Mc-Donald's-Restaurant auf der anderen Seite zu kommen." Im Sommer hatte die Autobahnpolizei im Bereich der Anschlussstelle vier Knirpse auf der Piste festgestellt. Die Jungen und Mädchen im Alter zwischen vier und neun Jahren wollten damals zum Spielen auf die andere Seite. Dabei war ihnen der Weg über die nahe gelegene Brücke zu weit, so dass sie direkt über die Fahrbahnen liefen. "Wie durch ein Wunder ist ihnen dabei nichts passiert", sagte Axel Dietrich, der stellvertretende Leiter des Sangerhäuser Autobahnrevierkommissariats.
Wie leichtsinnig das Betreten der Autobahn ist, macht ein Vorfall aus dem Mai dieses Jahres deutlich: Damals war ein 18-jähriger Fußgänger, der zwischen den Anschlussstellen Sangerhausen Süd und West unterwegs war, gleich von mehreren Fahrzeugen überrollt worden. Der Mann erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen (die MZ berichtete).
An einer zweiten Stelle, die auch als illegaler Überweg genutzt wird, sind dagegen aus rechtlichen Gründen baulich keine Veränderungen möglich, so die Behörden: Unvernünftige nutzen die Nottreppen der B 86-Brücke, die zum Verlassen des Autobahnbereichs nach Unfällen gedacht sind, um zur Fahrbahn zu kommen und laufen dann darüber - warum auch immer. Die aufgestellten Verbotsschilder würden einfach ignoriert.
Die Stadtsprecherin sagte: "Ich kann vor solchen Russisch-Roulett-Spielen nur warnen, die Autobahn befindet sich in einer Kurvenlage, die vom Autofahrer nicht einsehbar ist. Bei den gefahrenen Geschwindigkeiten bleibt ihm praktisch keine Reaktionszeit mehr."
Die drei Behörden appellierten deshalb an Eltern, Lehrer, Kinder und Jugendliche auf die Gefahren eindringlich hinzuweisen. Ab sofort sollen auch verstärkt Kontrollen im Bereich der Anschlussstelle durchgeführt werden.
Autobahnpolizist Dietrich: "Wer erwischt wird, muss dann mit den Konsequenzen leben."












































