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«Antisemitismus? Antizionismus? Israelkritik?» wird in Bernburger Marienkirche eröffnet

VON PAUL SPENGLER, 12.10.08, 18:35h, aktualisiert 14.10.08, 12:41h
Ausstellung
«Antisemitismus? Antizionismus? Israelkritik?» heißt die Ausstellung, die bis zum 22. November in der Marienkirche zu sehen ist. (Foto: Engelbert Pülicher)
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BERNBURG/MZ. Gibt es einen neuen Antisemitismus? "Nein", sagt Professor Wolfgang Benz vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Es sei immer wieder der gleiche Antisemitismus, der falsche Behauptungen über Juden in Umlauf bringe. Seien es Begriffe wie Streben nach Weltherrschaft, Rachsucht oder Geldsucht. "Diese Stereotypen tauchen immer wieder auf", sagt Benz. Der Fachmann für Antisemitismusforschung sprach am Sonntag zur Eröffnung der Ausstellung "Antisemitismus? Antizionismus? Israelkritik?" in der Bernburger Marienkirche.

Diese Schau geht zurück auf ein gemeinsames Projekt, das Benz 2004 nach dem Gespräch mit einem israelischen Minister gemeinsam mit der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem in die Wege geleitet hat. Erstmals war die Ausstellung im August 2007 im Auswärtigen Amt in Berlin zu sehen. Auch im Landtag von Sachsen-Anhalt machte die Schau schon Station. Bernburg ist nun eine von mehreren Städten, in der die Wanderausstellung gezeigt wird.

Landtagspräsident Dieter Steinecke sprach nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Henry Schütze und Kreisoberpfarrer Karl-Heinz Schmidt das Grußwort. MdL Jürgen Weigelt habe angeregt, die Ausstellung in Bernburg zu zeigen, sagte Steinecke.

In der Schau wird beispielsweise erläutert, wie seit rund 100 Jahren das Propagandamachwerk "Die Protokolle der Weisen von Zion" verwendet wird, um antisemitische Verschwörungstheorien zu verbreiten, die nur in der Phantasie bestehen. Auf der Frankfurter Buchmesse 2006 sei zuletzt ein iranischer Verlag damit aufgetreten, erläuterte Wolfgang Benz.

Entgegengetreten wird auch der Behauptung, dass Kritik an Israel ein Tabu sei. Vielmehr sei es problemlos möglich, die israelische Politik zu kritisieren, ohne antisemitische oder antizionistische Klischees zu verwenden. Als Beispiele werden internationale Blätter zitiert, die Israel kritisch beleuchten.

Auch auf den Antizionismus wird verwiesen. Er habe besonders in der europäischen Linken Tradition, da er in den ehemaligen kommunistischen Ländern Staatsdoktrin gewesen sei. Dabei werde die Grenze zwischen legitimer Kritik an israelischer Politik und Antisemitismus überschritten.

"Wir sind in Gefahr, Antisemitismus als Problem der anderen zu sehen, um uns in selbstgefälliger Aufgeklärtheit in Sicherheit zu wähnen", warnt der Forscher Wolfgang Benz. Als Gegenmittel gebe es nur Information und Aufklärung.

Die Veranstaltung zur Eröffnung der Ausstellung wurde musikalisch umrahmt von Antje Karls (Violine) und Bettina Saß (Orgel) von der Bernburger Musikschule. Sie spielten ein Konzert des israelischen Komponisten George Perlman.

Die Ausstellung ist bis zum 22. November in der Marienkirche, Altstädter Kirchhof 12, in Bernburg zu sehen.


    
    
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