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Sachsen-Anhalt

«Banken haben versagt»

Verbraucher und Firmen sind verunsichert - Dennoch überwiegt Gelassenheit

VON STEFFEN HÖHNE UND ALEXANDER SCHIERHOLZ, 06.10.08, 18:05h, aktualisiert 06.10.08, 20:32h
Talfahrt
Skontroführer Dirk Müller steht in der Börse in Frankfurt am Main neben der Anzeige für den DAX-Index. Die Finanzmarktkrise hat die Weltbörsen erneut auf Talfahrt geschickt. (Foto: dpa)
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HALLE/MZ. Soll ich meine Sparguthaben auf der Bank lassen? Wie sicher ist mein Geld? Diese Fragen werden Sven Kretzschmar dieser Tage häufig gestellt. Das Telefon des Finanzfachmanns der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt steht kaum still. "Viele Verbraucher sind wegen der Finanzkrise stark verunsichert", sagt Kretzschmar. "Für Panik gibt es keinen Grund."

DAX erneut auf Talfahrt
Verzweifelter Händler in Frankfurt vor seinen Monitoren. Die Finanzmarktkrise hat die Weltbörsen erneut auf Talfahrt geschickt. (Foto: dpa)
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Das größte Problem vieler Verbraucher ist nach Worten von Kretzschmar, dass sie nicht genau wissen, in welchen Finanzanlagen ihr Geld steckt. "Daher lassen sich schwer Aussagen treffen, wie sicher das Geld ist", betont Kretzschmar. "Sein Vermögen unter das Kopfkissen zu legen, ist bei einer Inflation von rund drei Prozent aber eher keine gute Alternative."

Dies sehen die Verbraucher offenbar ähnlich: Werner Schröder kommt gerade aus einer Bank am halleschen Marktplatz. Der Bank seines Vertrauens. Das wird auch so bleiben. Finanzkrise? Der 59-Jährige lacht. "Mein Geld ist nicht gefährdet", sagt er. Sicher macht ihn die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), vollen Schutz für Spareinlagen zu garantieren. "Eine gute Entscheidung", lobt der Hallenser. Wie die im Falle eines Falles umgesetzt werden soll, weiß er nicht so genau. "Aber wenn die Bundesrepublik das nicht kann, dann weiß ich auch nicht mehr."

Auch Claudia Berner ist gelassen. "Wir haben ein ganz anderes Bankensystem als die USA", erklärt die 35-jährige Bankkauffrau, die gerade im Babyurlaub ist. Skeptischer ist da schon Kay Hallensleben. Das Versprechen der Kanzlerin sei wohl eher "eine Maßnahme, um die Leute zu beruhigen", so der 40-Jährige. Angst um sein Geld hat freilich auch er nicht. "Alles breit streuen", rät er, bei verschiedenen Instituten und in verschiedenen Anlageformen. Er räumt aber auch ein: "Wenn ich Aktien hätte, würde ich vielleicht anders reden." Sorgen über die Entwicklung machen sich nicht nur die Sparer, sondern auch der Präsident der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt, Klemens Gutmann. Durch die Finanzkrise sieht er vor allem große Investitionsvorhaben gefährdet. Er bezieht sich auf Berichte aus der vergangenen Woche, wonach ein halbes Dutzend Projekte im Land betroffen sind, bei denen die Investitionsvolumen in der Regel über 100 Millionen Euro liegen (die MZ berichtete).

Die Folgen daraus werden laut Gutmann auch Mittelständler zu spüren bekommen. Diese sind oft Zulieferer von Maschinen und Anlagen für solche Projekte. Aufgrund der schwierigen Situation bei vielen privaten Banken befürchtet Gutmann zudem, dass einige Institute weniger Kredite ausgeben werden. Durch die Sparkassen und Volksbanken, die vor allem regional tätig seien, werde der Kreditfluss für den Mittelstand jedoch nicht austrocknen. Zudem könnten viele Firmen Investitionen mittlerweile stärker aus eigenen Mitteln finanzieren als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Daher hält Gutmann die Auswirkungen der Finanzkrise noch für überschaubar.

Diese Ansicht wird von vielen Firmen geteilt. So gibt sich der Solarzellen-Hersteller Q-Cells gelassen: "Wir haben keine Finanzierungsprobleme", so ein Sprecher.

In der Unternehmerschaft wächst aber der Unmut über die Banken generell: "Während Handwerker in den letzten Jahren von den Banken unter die Lupe genommen wurden, konnten sich einige Kreditinstitute ungestört am weltweiten Roulette beteiligen", kritisiert der Vizepräsident des Handwerkstages Sachsen-Anhalt Hans-Jörg Schuster. Jetzt müssten die Unternehmen womöglich durch eine verknappte Kreditvergabe für die Fehler zahlen. Ekkehard Heilemann, Chef von Keunecke Feinkost, ist mit seiner Hausbank zufrieden. Dennoch bleibt ihm mit Blick auf die Gesamtsituation nur Ironie übrig: "Künftig müssen Firmen wohl erst mal ihre Banken überprüfen, ob sie als Kreditgeber geeignet sind."

Banker wie der Chef der Saalesparkasse, Friedrich Stumpf, versuchen die Gemüter zu beruhigen: "Die Spareinlagen bei den Sparkassen sind komplett abgesichert." Die Institute sicherten sich gegenseitig, so dass eine mögliche Schieflage eines Institutes schnell aufgefangen werde. Auch eine Kreditklemme für den Mittelstand befürchtet Stumpf nicht. Die Sparkassen besitzen hohe Kundeneinlagen, die sie weiter verleihen. Doch auch Stumpf sieht durch die Finanzkrise die Bankenwelt im Umbruch. "Nach der Krise wird nichts so sein, wie es einmal war." Wie diese Zukunft aussieht, weiß er freilich auch nicht.



    
    
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