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Musik

Leonard Cohen erobert abermals Berlin

74-jähriger Songpoet aus Kanada gibt umjubeltes Konzert in neuer Arena

erstellt 05.10.08, 14:56h, aktualisiert 05.10.08, 15:05h
Leonard Cohen
Zurück: Leonard Cohen (Foto: dpa)
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BERLIN/MZ/AHI. Als die Hymne endlich kommt, hat sie sich längst selbst überholt: "First we take Manhattan", singt Leonard Cohen nach knapp drei Stunden in der neuen Berliner Arena o2-World, "then we take Berlin". Da stehen die mehr als 15 000 Fans längst Schulter an Schulter und recken die Arme ins Dunkel - und der von penetranter Bandenwerbung als "kanadischer Sänger und Poet" angekündigte Apostel hat die deutsche Hauptstadt nach 14 Jahren im Handstreich zurückerobert. Bei seinem letzten Konzert, wird Leonard Cohen in einem seiner seltenen Zwischentexte sagen, war er noch ein junger Bursche von 60 Jahren.

Dass er danach überhaupt noch einmal in die Öffentlichkeit zurückkehren würde, hatte man sich nach der Versenkung in die buddhistische Meditation - und trotz einiger bravouröser Rückmeldungen wie "Ten New Songs" - kaum mehr vorstellen können.

Nun aber ist er wieder da - und wie! Im Laufschritt entert er die Bühne, lippendicht hält er das Mikrofon. Und dann raunt, haucht, krächzt er mit dieser Stimme, deren Wert nie am polierten Edelmetall, sondern immer an der Patina des Lebens gemessen wurde, "Dance me to the End of Love". Neun selbstbewusst zurückhaltende Kammervirtuosen, darunter allein drei hinreißende Sängerinnen inklusive seiner dunklen Muse Sharon Robinson, unterbrechen und umspielen den ruhigen Fluss seines Gesangs, der nur minimal variiert - aber maximal berührt. Es ist demütige Dankbarkeit, die man vor diesen Songs empfindet und die der Meister selbst in jeder Sekunde ausstrahlt. Kaum zu glauben, dass "Suzanne" und "Marianne", diese Madonnen des großen Liebenden, selbst bei günstigster Schätzung inzwischen weit über 50 Jahre alt sein müssten - und dass sie noch immer so schön wie einst sind. Auch dass der "Tower of Song" noch steht und das kalte und gebrochene "Hallelujah" das Herz weiter wärmt und heilt, ist ein Trost in herbstlichen Tagen.

Die Lösung für das Rätsel des Universums aber liest der schlanke Mann im eleganten Anzug, dem nur selten eine Zornesfalte über die wirkliche Welt das melancholische Lächeln des wahrhaft Weisen zerstört, von den Lippen seiner Sängerinnen: "Du dam dam dam, da du dam dam".


    
    
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