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Emotionale Bindung zum Experimentellen

VON UWE KRAUS, 29.09.08, 18:08h, aktualisiert 27.02.10, 12:42h
Künstlerbücher
Künstlerbücher aus ganz Deutschland sind zurzeit im Palais Salfeldt zu sehen. (Foto: Chris Wohlfeld, Uwe Kraus)
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QUEDLINBURG/MZ. "Ich bin ein altmodischer Mensch" gestand Quedlinburgs Bürgermeister Eberhard Brecht bei der Eröffnung der 11. Provinzkunsttage im Palais Salfeldt: "Gedruckte Texte müssen für mich eine schöne Hülle haben, Prägungen, Illustrationen und schöne Einbände, das erzeugt emotionale Bindung." Manchmal frage er sich, ob die Gestaltung die Herrschaft über den Text gewinne oder ob es umgekehrt sei. Anlass seiner Ausflüge in die Gefilde der Buchkunst bot der Auftakt zur Exposition "13+ Künstlerbücher aus Deutschland".

Weltoffenheit bewiesen

Hierfür hatte Harriet Watts nach den Worten des Stadtoberhauptes "wieder renommierte Buch- und Papierkünstler in die Provinz geholt." Die profunde Kunstkennerin erinnerte sich, dass sie und ihre Mitstreiter, als sie sich zusammentaten, keine Ahnung hatten, wo sich ihre Idee der Kunsttage hinentwickelt. "Auf jeden Fall beweisen wir Weltoffenheit", sagt sie und verweist auf Künstler aus ganz Deutschland, den USA, Belgien, Frankreich, Peru, Chile und den Niederlanden, die in den vergangenen elf Jahren in Quedlinburg zu den Provinzkunsttagen ihre Arbeit präsentierten. "Wir sind gerne der Einladung gefolgt", gesteht Frauke Otto, die Leiterin der Papierwerkstatt an der Hochschule Burg Giebichenstein. Schließlich wisse sie durch eine eigene Ausstellung vor einem Jahr in der "7Kunst" die kunstkundige Atmosphäre in Quedlinburg zu schätzen.

Die Hallenserin Otto fungiert gemeinsam mit Susanne Nickel als Kuratorin von "13+ Künstlerbücher aus Deutschland". Aus den einst 13 wurden unterdessen 21 Buchgestalter, die gemeinsam Ausstellungen im In- und Ausland organisieren. Viele der Kunst-Bücher seien Unikate oder entstammen Kleinstauflagen. "Immer zwei bis drei von uns bereiten die Expositionen vor, zu denen jeder drei oder vier Buchkunststücke beisteuert", umreißt Nickel das Konzept der Gruppe, in der jeder eigenständiger Buchkünstler bleibt.

Vielfalt und Kreativität

Unterdessen haben drei davon Professuren für Buchkunst. So wie Sabine Golde, die an der Burg Giebichenstein pro Studienjahr fünf Studenten in Buchkunst unterrichtet. Im Palais zeigt sie Arbeiten aus ihrer Edition Carivari, die eng an Musik- und Textkünstler angelehnt sind. Harriet Watts lobte die Vielfalt der Herangehensweisen, die Kreativität der künstlerischen Ideen und die experimentelle Typografie, die den Rundgang durch das Palais "zu einer Entdeckungstour durch die Vitrinen macht". Dass es ein gelungener Auftakt zu den Provinzkunsttagen wurde, daran hatte auch Niels Ziegelasch seinen Anteil. Der Saxophonist von der Kreismusikschule umrahmte die Eröffnung musikalisch.

"13+ Künstlerbücher aus Deutschland", bis 26. Oktober im Palais Salfeldt


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