Sachsen-Anhalt
270 Rechtsextreme marschieren in Dessau-Roßlau auf
Polizei sammelt verfassungsfeindliche Fahnen ein - Überfall auf junge Leute in Magdeburg
erstellt 21.09.08, 16:32h
Dessau-Roßlau/Magdeburg/dpa. Eine Gruppe mutmaßlicher
Rechtsextremer hat in Magdeburg fünf junge Leute angegriffen. Die
Opfer im Alter zwischen 18 und 27 Jahren erlitten bei dem Überfall in
der Nacht zum Sonntag Platzwunden und Blutergüsse, wie die Polizei
mitteilte. In Dessau-Roßlau marschierten am Samstag rund 270
Rechtsextreme durch die Stadt, während ein Fest zum Gedenken an einen
von Neonazis getöteten Mosambikaner gefeiert wurde. Bei den
Teilnehmern der NPD-Demonstration seien verfassungsfeindliche Fahnen
eingesammelt worden, sagte ein Polizeisprecher.
Nach den Schilderungen der Opfer in Magdeburg wurden sie vor einem
Schnellrestaurant in der Innenstadt von etwa acht bis zehn
Unbekannten zunächst mit den Worten «Den Zecken hauen wir eine drauf»
verbal attackiert. Dann schlugen und traten die Angreifer, ehe sie
flüchteten. Mit dem Wort «Zecke» bezeichnen Rechtsextreme häufig
Andersdenkende. Die Opfer gehören laut Polizei nach eigenen Angaben
nicht der linken Szene an.
Im Zuge der NPD-Demonstration in Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt
wurden laut Polizei zehn Strafanzeigen erstattet, unter anderem wegen
Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung, Verleumdung sowie Verstößen
gegen das Versammlungs- und das Betäubungsmittelgesetz. Außerdem sei
es zwischen Linken und Rechten zu kleineren Rangeleien und
Körperverletzungen gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Kirchen,
Parteien, Gewerkschaften und Vereine hatten zum Protest gegen die
NPD-Demonstration aufgerufen.
Bei dem Fest im Stadtpark wurde an den Tod des Mosambikaners
Alberto Adriano erinnert. Der 39 Jahre alte Familienvater war dort im
Juni 2000 von drei jungen Neonazis so schlimm zusammengeschlagen
worden, dass er drei Tage später an seinen schweren Verletzungen
starb. Er hinterließ eine Frau und drei Kinder.



































