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Gemischtes Publikum

Multikulturelle Woche: Migranten feiern mit Gästen Familienfest

VON THOMAS STEINBERG, 21.09.08, 19:43h, aktualisiert 21.09.08, 19:56h
«We are family»
«We are family» bot Informationen, Musik und auch vieles für Kinder. MZ-Foto: Ruttke
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DESSAU/MZ. So war das dann wohl doch nicht gemeint von Innenminister Holger Hövelmann. Die rechte Ideologie dürfe nie wieder mehrheitsfähig sein, hatte er eben noch von der Bühne im Stadtpark herunter verkündet, und damit das funktioniere, müssten sich die Menschen einbringen, um den Rechten entgegenzuhalten: "Wir wollen euch nicht hier haben, nicht in Dessau, nicht in Magdeburg, nicht in Leipzig."

Nur ein paar 100 Meter weiter zogen mitten durch die Stadt 270 jener, die man nicht haben wollte. Diesen das auch mitzuteilen, daran hinderte die Hövelmann unterstellte und der Durchsetzung des Demonstrationsrechts verpflichtete Polizei einige Dutzend Antifa-Autonome. Als diese losstürmten, um zum Rathaus durchzukommen, wurden sie sehr schnell von Bereitschaftspolizisten daran gehindert.

Ob es eine gezielte Provokation war oder Zufall, dass Neonazis zur Interkulturellen Woche eine Demo ansetzten, wusste Razak Minhel, Leiter der Multikulturellen Zentrums in Dessau, nicht zu sagen. Er selbst erlebte am Sonnabend eine Premiere im Stadtpark: nicht nur war das Fest dort größer aufgezogen wurde als je zuvor, es wurde ganz wesentlich von denen organisiert, über die sonst vorwiegend gesprochen wird: Migranten.

"We are Family" hatte der Hauptorganisator, der Verein Mosangola, das Fest betitelt und damit eine Einladung ausgesprochen, die zunächst nur zögerlich angenommen wurde: gegen Mittag verloren sich die wenigen Gäste zwischen den Akteuren auf dem Festgelände. Doch am Nachmittag und Abend sollten sich tatsächlich mehr Besucher einfinden.

Auf der Bühne wurde ein musikalisches Programm präsentiert, das DJs und Livemusiker ablieferten, aber ebenso der Leipziger Capoeira-Verein, der den in Brasilien entstanden Mix aus Kampfkunst, Tanz und Musik pflegt und mit elf Mitgliedern angereist war.

Links der Bühne stand eine Tafel mit Fotos. Darauf vorgestellt: Balm of Gilead, ein Waisenhaus in Sambia. "Man kann sich die Situation in in diesem Land kaum vorstellen", sagte Chanda Kasanya-Klapproth, deren Schwester das Waisenhaus gegründet hat. 32 Kinder werden dort unterrichtet, 200 auf der Straße lebende erhalten dort immerhin täglich eine Mahlzeit. Das mag bescheiden anmuten - aber es ist ein Fortschritt in einem Land, das ökonomisch auf der Stelle tritt.

Von der Bühne schallte Gute-Laune-Pop. Die Musik indes ist lediglich Verpackung für die Botschaft, die der Sänger anstimmt: Gott ist überall. Aus Halle angereist war die Resurrection Power Ministries International - eine Pfingstkirche und als solche auf Missionierungskurs. Deren Pfarrer Sammy Egboh hielt denn auch eine dynamisch-charismatische Predigt, versprach wundersame Heilungen. Das Echo auf solche Versprechungen ist verhalten.

Doch war es zu diesem Zeitpunkt dem Fest tatsächlich gelungen, zwar keine Massen anzuziehen, doch ein bunt gemischtes Publikum: darunter Migranten, Bildungsbürger, Autonome, politisch Aktive und Zaungäste, die einfach von der Musik angelockt vorbei schauten.


    
    
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