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Wiederbelebt

Die Ewigkeit in schwarzen Rillen

Einige Aufnahmen des DDR-Klassik-Label Eterna neu auf Vinyl

VON Gunnar Leue, 29.08.08, 19:35h, aktualisiert 29.08.08, 21:56h
Dieter-Gerhard Worm
Dieter-Gerhard Worm, von 1955 bis 1972 Eterna-Chef, mit einem Exemplar der Neuauflage. (Foto: Leue )
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Halle/MZ. Der Übergang des VEB Deutsche Schallplatten in die Marktwirtschaft gehört zu den seltsamen Kapiteln der jüngeren deutschen Musikgeschichte. Nachdem ein Kieler Autohändler den kompletten Katalog gekauft hatte, sah es nicht gut aus für das Erbe der DDR-Schallplattenproduktion. Es konnte erst 1993 aus der Versenkung gerettet werden, als die Münchner BMG Ariola das Amiga-Archiv (mit Unterhaltungsmusik) aufkaufte und die Hamburger Plattenfirma Edel den Katalog des Klassik-Labels Eterna. Seither hat Edel daraus etliche Produktionen auf CD neu veröffentlicht.

Seit gestern nun sind zwölf besonders interessante Aufnahmen in einer Kleinauflage als originalgetreue LP-Replik auf dem Markt. Dazu gehören unter anderem Beethovens "Eroica" mit der Staatskapelle Dresden unter Franz Konwitschny (die 1955 als erste Langspielplatte der DDR überhaupt erschien), die erste Sinfonie von Gustav Mahler, ebenfalls Staatskapelle unter Otmar Suitner sowie die Jugendsinfonien von Felix Mendelssohn Bartholdy, gespielt vom Leipziger Gewandhausorchester unter Kurt Masur. Ein Grund für die Sonderedition ist, dass sich Vinylplatten - die aktuell ihr 60-jähriges Jubiläum feiern - sich seit längerem wieder beständiger Nachfrage erfreuen. Andererseits sind diese Aufnahmen auch ein Stück Zeitgeschichte.

Das weiß niemand besser als Dieter-Gerhard Worm, der von 1955 bis 1972 als Eterna-Chef für etliche der neu aufgelegten Schallplatten verantwortlich war. Edel hatte ihn deshalb jüngst nach Röbel an der Müritz eingeladen, wo die Firma ein Tonstudio und ein Presswerk unterhält. Dort durfte sich der 77-Jährige überzeugen, dass bei der Übertragung der Originalbänder auf Vinyl noch mehr Klangvolumen und Dynamik herausgeholt werden konnte als bei den Original-Schallplatten. Stolz präsentierten die Studiotechniker auch ihre original Vinyl-Schneidanlage aus dem VEB Deutsche Schallplatten, die nach der Wende zunächst in St. Petersburg gelandet und dann zurückgekauft worden war.

Worm revanchierte sich mit der Entstehungsgeschichte einiger Aufnahmen, die ein Beispiel für Ost-West-Kooperation mitten im Kalten Krieg gaben. "Als ich 1955 zu Eterna kam, erhielt ich den Auftrag zum Aufbau eines Repertoires, das möglichst umfassend die Musik vom Vorbarock bis zur Gegenwart widerspiegeln sollte." Jede Aufnahme sollte hinsichtlich ihrer künstlerischen Qualität mehrere Jahrzehnte Bestand haben - die Geldknappheit hätte gar keine regelmäßigen Neueinspielungen von Beethoven oder Mozart-Werken erlaubt. Kriterium war aber auch, ob die Aufnahme Valuta einspielen konnte. Um solche hehren Ansprüche zu erfüllen, brauchte man entsprechende Interpreten.

In einer Zeit, als Kontakte zum Klassenfeind in der BRD fast undenkbar waren, reifte deshalb das Konzept, hervorragende Klangkörper wie die Dresdner Staatskapelle und das Gewandhausorchester Leipzig, den Kreuzchor und den Thomanerchor mit internationalen Partnern zusammenzubringen. Der selbstbewusste Eterna-Chef wandte sich mit dem Ansinnen an westliche Klassik-Labels wie Deutsche Grammophon und Electrola.

Bereits 1957 nahm der Österreicher Karl Böhm mit der Dresdener Staatskapelle in der Elbestadt die "Alpensinfonie" von Richard Strauss auf, außerdem 1958 den "Rosenkavalier". Auch mit Herbert von Karajan hat Worm zusammen gearbeitet. Er betreute 1970 dessen Aufnahme der "Meistersinger von Nürnberg" mit der Staatskapelle in der Dresdner Lukaskirche.

Solche Aufnahmen stehen für eine "eigentlich unvorstellbare gesamtdeutsche Arbeit", wie Dieter-Gerhard Worm resümiert. Der Devisenhunger der DDR machte es möglich - und gestattete ihm außergewöhnliche Freiheiten. In künstlerischen Fragen hatte er absolute Entscheidungshoheit, er legte fest, welche Künstler auftraten und welche Honorare die Westlabels für die DDR-Künstler zu bezahlen hatten. 1972 wurde der Eterna-Chef jedoch abgelöst, weil er kein SED-Mitglied war und gegenüber den Weststars auch wenig Klassenbewusstsein zeigte. 1975 wechselte der ausgebildete Dirigent als Generalmusikdirektor nach Karl-Marx-Stadt.


    
    
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