Familie und Finanzen
Fürs vierte Kind soll es 50 Euro geben
Union prescht bei Kindergeld vor - Starke Erhöhungen geplant - SPD: «Wahlkampfgetöse»
VON Kerstin Münstermann, 27.07.08, 16:14h, aktualisiert 27.07.08, 17:12h
Berlin/ddp. Die Union will das Kindergeld ab Januar 2009 für
kinderreiche Familien deutlich erhöhen. «Für das erste und zweite
Kind soll es je 10 Euro mehr geben, für das dritte Kind 20 Euro und
ab dem vierten Kind 50 Euro«, sagte der familienpolitische Sprecher
der Unions-Fraktion, Johannes Singhammer (CSU). Die Kosten von 2,56
Milliarden Euro entsprächen in etwa den Einsparungen beim Kindergeld
durch den Geburtenrückgang seit 2006. Die SPD tat den Vorschlag am
Wochenende als «Wahlkampfgetöse» ab.
«Ich weiß nicht, wie oft Herr Singhammer einen Euro ausgeben kann,
ich kann ihn nur einmal ausgeben», sagte SPD-Fraktionsvize Christel
Humme. Die Koalition habe das Geld, das beim Kindergeld wegen des
Geburtenrückgangs eingespart werde, bereits ausgegeben, weil sie sich
mit 770 Millionen Euro jährlich an den Betreuungskosten der
Unter-Dreijährigen beteilige. Damit gehe Singhammers Rechnung, die
Kosten der Kindergelderhöhung könnten aus den Einsparungen wegen der
sinkenden Kinderzahl gedeckt werden, nicht auf, unterstrich Humme.
Erhöhe man nur das Kindergeld ab dem dritten Kind, «wird die
Mehrheit der Familien und der Kinder benachteiligt», sagte Humme
weiter. Denn 90 Prozent der Familien hätten ein bis zwei Kinder, bei
den Alleinerziehenden seien es sogar 94 Prozent. Die SPD möchte daher
das Kindergeld ab dem ersten Kind erhöhen, konkrete Vorschläge soll
eine Arbeitsgruppe im Herbst machen, wenn der Bericht der
Bundesregierung zum Existenzminimum vorliege, kündigte die
Fraktionsvize an.
Die große Koalition hatte sich beim letzten Koalitionsausschuss
Mitte Juni geeinigt, das Kindergeld zum 1. Januar 2009 zu erhöhen.
Der genaue Umfang blieb damals allerdings offen. Während die Union
auf die bloße Erhöhung des Kindergelds und des Kinderfreibetrages
setzte, wollte die SPD mit einem Systemwechsel einkommensschwache
Familien gezielt entlasten. Der Umfang der Verbesserungen sollte von
den Ergebnissen des Existenzminimumberichts abhängen, der im Herbst
vorgelegt wird.
Derzeit erhalten Familien für die ersten drei Kinder jeweils 154
Euro im Monat, ab dem vierten Kind 179 Euro Kindergeld pro Monat.































