Jubel auf Fanmeile
Nationalmannschaft sagt in Berlin «Danke Fans!»
Vize-Europameister ist am Brandenburger Tor eingetroffen
VON Jutta Schütz und Sascha Meyer, 30.06.08, 07:33h, aktualisiert 30.06.08, 22:17h

Fußballfans feiern in Berlin auf der Fanmeile vor dem Brandenburger Tor den Sänger der Band «Revolverheld», Johannes Strate. (Foto: dpa)
Berlin/dpa. Enttäuschung weggejubelt: Auch ohne den «Pott»
des Fußball-Europameisters haben rund hunderttausend Fans am Montag
mit der Nationalelf auf Deutschlands größter Fanmeile in Berlin den
EM-Abschluss gefeiert. Ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer wogte am
Brandenburger Tor, als die Vize-Europameister von Trainer Joachim Löw
am Nachmittag mit zwei Bussen vorfuhren. Auf einem Papp-Pokal stand
«Danke», auf einem Transparent «Ihr seid die Besten». Als sich
Torhüter Jens Lehmann als erster auf der riesigen Bühne den Massen
zeigte und einen Fußball in die Menge schoss, klatschten die meist
jungen Fans, die Menge hüpfte. Die Kicker präsentierten sich wenige
Stunden nach der 0:1-Niederlage im EM-Finale gegen Spanien schon
wieder locker, wenn auch nicht in großer Jubellaune.

Michael Ballack bedankt sich nach dem Spiel bei den deutschen Fans. (Foto: dpa)
«Natürlich ist man enttäuscht, wenn man so weit kommt», sagte
Kapitän Michael Ballack, der als letzter Spieler auf dem weißen
Laufsteg vor dem deutschen Wahrzeichen erschien, zu dem verlorenen
Finale. «Aber ohne die Fans hätten wir es nie geschafft», rief der
31-Jährige, dessen lädierte Augenbraue vom Kampf gegen die Spanier
frisch genäht und von einem Pflaster bedeckt war. Den größten
Kreischfaktor vor allem bei den weiblichen Fans gab es, als sich
Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger und Stürmer Lukas Podolski
der Menge zeigten. Podolski betätigte sich auch als Anheizer und
animierte - nicht ganz melodiesicher - zum Mitsingen der
Fankurvenhymne «Humba, humba tätärääää...»
Genau vor 722 Tagen war die deutsche Nationalelf schon einmal zum
Fanfest zum Brandenburger Tor gekommen - dem emotionalen Abschluss
der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Zwar wurden nun bei der «Danke»-Party nach der EM Erinnerungen an das damalige Sommermärchen wach.
Doch während vor zwei Jahren rund 1,5 Millionen Menschen am
Brandenburger Tor an einem Sonntag feierten, fiel die Party diesmal
an einem normalen Arbeitstag etliche Nummern kleiner aus. Nach einer
Stunde war die Party, zu der vorwiegend junge Leuten gekommen waren,
schon wieder vorbei. Etliche vermissten aber eine «Gänsehautstimmung»
wie 2006, als der WM-Dritte Deutschland als «Weltmeister der Herzen»
gefeiert wurde. Damals war es auch eine - letztlich vergebliche -Demonstration, um Teamchef Jürgen Klinsmann zum Bleiben zu bewegen.
Trotzdem hatten sich am Montag schon Stunden vor dem offiziellen
Partystart tausende Anhänger vor der großen Bühne am Brandenburger
Tor warmgefeiert. Wie bei dem nur wenige Stunden zurückliegenden EM-Finale waren viele in Fahnen gehüllt, trugen schwarz-rot-goldene
Perücken oder hatten sich die Nationalfarben ins Gesicht gemalt.
«Für Schweini tue ich alles», rief die 15-jährige Marie, die mit
drei Mitschülerinnen gekommen war und extra für ihr Idol Bastian
Schweinsteiger früher aus der Schule gehen durfte. Viele Eltern waren
mit ihren fußballbegeisterten Sprösslingen gekommen. Für den
Nachmittag hatte die Schulverwaltung freigegeben. Die Mannschaft und
das Team revanchierten sich mit einem langen Spruchband, auf dem
stand: «82 Millionen + 23 = 1 Team». Nach der Feier stand für die
meisten Spieler erst einmal Urlaub auf dem Plan.












































