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Jugendliche wegen Anschlag vor Gericht

Versuchte Brandstiftung in Unterkunft polnischer Erntehelfer

VON Gert Glowinski, 27.06.08, 17:21h, aktualisiert 27.06.08, 20:05h
Querfurt/Halle/MZ. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen vier Jugendliche aus Querfurt, die im April einen Brandanschlag auf polnische Erntehelfer verübt haben sollen. Der Vorfall im Querfurter Ortsteil Lodersleben hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, auch weil ein ausländerfeindlicher Hintergrund für die Tat vermutet wurde. Bei dem nächtlichen Anschlag mit einem Molotow-Cocktail auf die Unterkunft der Polen war nur wegen glücklicher Umstände niemand verletzt worden war.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Halle sagte Freitag auf MZ-Anfrage, die Anklage werde in den kommenden Tagen erhoben. Den Jugendlichen im Alter von 17 bis 20 Jahren, darunter ein Mädchen, drohen bis zu zehn Jahre Haft. Ihnen wird schwere und gemeinschaftliche versuchte Brandstiftung vorgeworfen. Eine Anklage wegen versuchten Mordes wird nicht mehr in Betracht gezogen. Verhandelt wird am Amtsgericht in Merseburg vor dem Jugendschöffengericht.

Die Polizei hatte nach dem Anschlag Ende April schnell Ermittlungserfolge vorweisen können. Drei der Verdächtigen sollen aus durchaus intakten Familien kommen, zwei gehen sogar noch zur Schule. Zwei Jungen waren in der Feuerwehr integriert. Welche Rolle ein 17-jähriges Mädchen bei der Tat gespielt hat, muss ebenfalls vor Gericht geklärt werden.

Die Arbeitsstelle Rechtsextremismus beim Verein "Miteinander" begrüßte unterdessen die kurze Zeitspanne zwischen Fahndungserfolg und Anklageerhebung. Allerdings müsse abgewartet werden, was konkret in der Anklageschrift stehe, bevor man ein detailliertes Urteil abgehen könne, sagte ein Vereins-Sprecher. Seinen Angaben zufolge gibt es in der Region Querfurt schon gewaltbereite rechtsextreme Strukturen. Rechtsextreme in und um Querfurt, die sich selbst "Autonome Nationalisten" nennen, hätten Verbindung zu führenden Köpfen der Szene etwa nach Sangerhausen. Auch in Querfurt selbst war es in der Vergangenheit mehrfach zu politisch motivierten Vorfällen gekommen.

Stadt Querfurt, evangelische Kirche, Politiker und Vertreter der Querfurter Agrargenossenschaft hatten sich nach dem Anschlag um die Erntehelfer bemüht und sich für den Vorfall entschuldigt. Jetzt denken die Polen nach Angaben von Genossenschafts-Chef Jörg Kamprad sogar darüber nach, im September zur Apfelernte wieder nach Querfurt zu kommen. "Wir würden uns sehr freuen und haben sie fest eingeplant", so Kamprad zur MZ.


    
    
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