Studie der Uni Leipzig
Offensive für Demokratie
Demokratieverdrossenheit fördert rechtsextreme Einstellungen in weiten Teilen der Bevölkerung
VON Alexander Schierholz, 18.06.08, 21:56h
Berlin/MZ. Sachsen-Anhalts Innenminister
Holger Hövelmann (SPD) hat eine Demokratie-Offensive
gefordert. "Wir müssen vermitteln, dass Demokratie
kein fertiges Produkt ist, das man konsumieren
kann", sagte er. Vielmehr müsse Demokratie
immer wieder verteidigt und mit Leben gefüllt
werden. Hövelmann reagierte damit auf eine
Studie der Universität Leipzig, in der festgestellt
wird, dass Demokratieverdrossenheit rechtsextreme
Einstellungen in weiten Teilen der Bevölkerung
begünstigt. Die Möglichkeiten demokratischer
Teilhabe würden vielfach gering geschätzt.
Die Studie im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung
wurde gestern in Berlin vorgestellt. Darin
untersuchten die Leipziger Wissenschaftler
Oliver Decker und Elmar Brähler, wie rechtsextreme
Einstellungen in der Gesellschaft zustande
kommen.
Dabei bestätigte sich das Ergebnis einer Erhebung
von 2006, das jedem vierten Deutschen in Ost
und West Ausländerfeindlichkeit bescheinigt.
Diese sei "ein weit verbreitetes und daher
scheinbar akzeptiertes Ressentiment", sagte
Brähler. "Fremdenfeindlichkeit ist die Einstiegsdroge
in den Rechtsextremismus." Die Wissenschaftler
verwiesen darauf, dass viele Menschen Demokratie
lediglich mit Wohlstand gleichsetzen. Wenn
es ihnen dann wirtschaftlich nicht mehr so
gut gehe, wollten sie von Demokratie nichts
mehr wissen.
Hövelmann forderte als Konsequenz aus der
Studie, Besuche in KZ-Gedenkstätten für
Schüler wieder zur Pflicht zu machen. Den
"nationalistischen Schreiern" gehöre die historische
Wahrheit "um die Ohren gehauen". Die beiden
Leipziger Wissenschaftler forderten eine weitere
Demokratisierung der Gesellschaft vor allem
in Schulen und Unternehmen. "Dort verbringen
die Menschen die meiste Zeit ihres Lebens,
dort können sie Demokratie erfahren", sagte
Decker. So könnten Schüler etwa am Erstellen
von Lehrplänen beteiligt werden, Schülervertretungen
könnten einen eigenen Haushalt bekommen. In
Betrieben müsse es mehr Mitbestimmung geben.













































