Burgenlandkreis
«Aussagen von Hotelier nicht widerlegbar»
Streit nach rechtsextremen Treffen in Bad Kösen - Kritik von Linken
erstellt 18.06.08, 20:59h

Soll aus der CDU wegen rechtsextremer Treffen in seinem Hotel ausgeschlossen werden: Wilfried Becker. (Foto: Archiv)
Naumburg/MZ/lö. Der Bad Kösener
Hotelier Wilfried Becker hat sich nach Überzeugung
des CDU-Kreisparteigerichts nichts zuschulden
kommen lassen. Das sagte der Vorsitzende des
Gremiums, Jörg Kriewitz, am Mittwoch. Zuvor hatte
das Parteigericht einen Antrag des CDU-Kreisverbandes
Burgenland abgelehnt, Becker aus der Partei
auszuschließen, weil er rechtsextreme Veranstaltungen
im Hotel "Kurgarten" zugelassen haben soll.
Dessen Geschäftsführer war Becker bis 2004,
seitdem führt einer seiner Söhne das Hotel.
Entgegen der Ankündigung vom Vortag, die Gründe
für das Urteil erst in zwei Wochen zu nennen
(die MZ berichtete), äußerte sich Kriewitz
gestern doch. Becker habe eingeräumt, dass
es zu seiner Zeit als Geschäftsführer DVU-Veranstaltungen
gab. Ihm sei der Hintergrund aber jeweils
erst während der Treffen bekannt geworden.
Das Parteigericht halte diese Aussage für
glaubwürdig, so Kriewitz. "Wir können sie
nicht widerlegen."
In die Kritik geraten waren die Veranstaltungen
im Herbst 2007, als ein NPD-Verlag einen Kongress
in dem Hotel durchführte. Da sei Becker nicht
mehr Geschäftsführer gewesen, so Kriewitz.
Zudem habe die Familie erst einen Tag vor
dem Kongress erfahren, dass die NPD dahinter
stehe. Kriewitz zufolge bestreitet Becker
Angaben des Innenministeriums, wonach er selbst
an jenem Tag der Polizei gesagt haben soll,
dass er bereits über die Verbindung zur NPD
informiert sei. Das Innenministerium sei vom
Parteigericht nicht befragt worden, so Kriewitz.
Es gebe keine Anzeichen, dass Becker seine
Söhne bestärkt habe, rechte Veranstaltungen
zuzulassen. "Wir haben auch keine Hinweise
darauf, dass Herr Becker mit einer rechtsextremen
Partei sympathisiert", so Kriewitz.
Die schriftliche Begründung für das Urteil
soll nun voraussichtlich bis kommende Woche
vorliegen. Erst danach werde sich der CDU-Kreisverband
äußern, so dessen Vorsitzender Götz Ulrich.
"Die Entscheidung, es bei dem Urteil zu belassen
oder vor das Landesparteigericht zu gehen,
liegt beim Kreisverband. Wir werden keine
Anweisungen geben", sagte CDU-Landeschef Thomas
Webel. Kritik kam von der Linke-Landtagsfraktion:
Die CDU schade ihrer Glaubwürdigkeit im Kampf
gegen Rechtsextremismus. Es sei "in hohem
Maße bedenklich", dass ihr der Parteiausschluss
Beckers nicht gelinge. "Wir fühlen uns rechtsstaatlichen
Methoden verpflichtet", sagte Webel dazu.
In letzter Konsequenz heiße das auch, die
Urteile akzeptieren.



































