Sachsen-Anhalt
Zufallsstopp am Haus des Innenministers?
Hövelmann sieht persönliche Attacke - Ex-Staatsschützer bestreitet
VON Hendrik Kranert, 12.06.08, 21:12h, aktualisiert 12.06.08, 22:51h
Magdeburg/MZ. Es war am 2. Juni, just jenem Tag, an dem Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD) per Internet-Chat über ein aus seiner Sicht notwendiges NPD-Verbotsverfahren diskutierte. Da hielt an der Bushaltestelle an der Lepser Straße in Zerbst ein schwarzer Jaguar. Dem entstieg Sven Gratzik, ehemaliger Dessauer Staatsschützer. Er umrundete das Bushäuschen und entdeckte dort ein offenbar schon seit längerem eingeritztes Hakenkreuz. Gratzik rief, weil in seiner Freizeit unterwegs, die Polizei, um das Propagandadelikt aufnehmen und das Nazi-Symbol entfernen zu lassen.
So erzählt Gratzik die Geschichte. Fotos von den Schmierereien hat er auch an die Medien verschickt. Das Problem aber ist, dass gegenüber jener Haltestelle das Wohnhaus der Familie Hövelmann steht. Daher berichtet der Minister auch etwas anders. "Ich und meine Familie fühlen uns von dem Beamten observiert", ließ er am Freitag per Pressemitteilung verbreiten. Ein eher ungewöhnlicher Schritt, der von Hövelmanns Sprecher noch zugespitzt wurde: "Der Vorfall ist beunruhigend. Was der Beamte eigentlich vor dem Haus gesucht hat, ist völlig unklar." Mit Gratziks "Auftritt im persönlichen Umfeld des Ministers" drohe der ursprüngliche Versuch, Defizite in der Polizeiarbeit des Landes aufzudecken, in "persönlich motivierte Attacken umzuschlagen", heißt es weiter. Damit spielt der Sprecher auf den Landtags-Ausschuss an, der den Fall Dessau und weitere Fehler der Polizei im Umgang mit rechtsextremen Delikten untersucht.
Gratzik weist persönliche Motive weit von sich: Er sei auf dem Wege zur Burgruine Leps gewesen, die ihn als Hobbyhistoriker interessiere. "Da muss ich nun einmal bei Hövelmann vorbei", so Gratzik. Warum er auf der Fahrt nun ausgerechnet die Bushaltestelle bei Hövelmann inspizierte, ließ er offen. Statt dessen vermutet Gratzik in der Pressemitteilung des Innenministers eine Retourkutsche, nachdem dieser mit neuen Vorwürfen im Umgang mit dem Ex-Staatsschützer Christian Kappert konfrontiert wurde.
Die Linke im Landtag will den Vorfall jetzt im Untersuchungsausschuss zur Sprache bringen, wegen der "vielen Ungereimtheiten", so Rechtspolitikerin Gudrun Tiedge. Guido Kosmehl (FDP) hält von einer Untersuchung im Ausschuss hingegen gar nichts - und mahnt beide Seiten zur Besonnenheit.




































