Berlin
Islamische Kita eröffnet im Wedding
Betriebserlaubnis wird demnächst erteilt - Querelen wegen Islamismusverdachts
erstellt 11.06.08, 16:36h, aktualisiert 11.06.08, 19:50h

«Morgenland» heißt die umstrittene islamische Kindertagesstätte im Berliner Bezirk Wedding, deren Schriftzug auf dem Dach eines Dienstleistungsgebäudes zu erkennen ist. (Foto: dpa)
Berlin/dpa. Unter strengen Auflagen der Behörden hat die
umstrittene islamische Kita in Berlin-Wedding ihren Betrieb
aufgenommen. Derzeit werde die Betreuung von acht Kindern über den
Bezirk abgerechnet, sagte der Jugendstadtrat von Mitte, Rainer Maria
Fritsch (Linke) am Mittwoch. Die ersten Kinder seien schon vor gut
zwei Wochen erstmals in die neue Einrichtung an der Brunnenstraße
gegangen. In Kürze werde die formelle Betriebserlaubnis zugestellt.
Dies hatte sich Monate hingezogen, weil der Trägerverein unter
Islamismusverdacht stand. Die CDU nannte den Fall «äußerst
beunruhigend».
Nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung muss der Verein sicher
stellen, dass die Kinder ausreichend Deutsch lernen. Zudem müssten
auch nicht-islamische Erzieher beschäftigt werden. Eine Trennung von
Jungen und Mädchen sei verboten. «Eine Koran-Schule wäre nach diesen
Auflagen nicht möglich», sagte ein Sprecher.
Die Behörden hatten dem Trägerverein Morgenland e.V. zunächst die
Erlaubnis verweigert, weil der Verdacht bestand, dass er der in
Deutschland verbotenen islamistischen Partei «Hizb ut-Tahir» («Partei
der Befreiung») nahe stehe. Ihr wird vorgeworfen, Gewaltpropaganda
und antijüdische Hetze zu verbreiten. «Die Organisation will Hass und
Gewalt säen», erklärte beim Verbot 2003 der damalige
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD).
Das Verfahren für die Kita-Genehmigung zog sich über Monate hin;
auch der Berliner Verfassungsschutz gab eine Stellungnahme ab, der
Inhalt wurde am Mittwoch aber nicht bekannt. Bei einer Ortsbegehung
im Mai wurde dem Verein dann die Genehmigung in Aussicht gestellt,
wie es in der Senatsverwaltung hieß.
«Die Betriebserlaubnis kann jederzeit entzogen werden», sagte ein
Sprecher von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). Die Kita-Aufsicht
des Senats dürfe jederzeit unangemeldet zu Kontrollen erscheinen. «Es
darf nichts hinter verschlossenen Türen geschehen», sagte auch
Stadtrat Fritsch an die Adresse der Betreiber. «Sie müssen sich
öffnen und selbst dazu beitragen, Vertrauen herzustellen.»
Die Behörden hatten Bedenken wegen möglicher Kontakte des früheren
Vorsitzenden von Morgenland e.V. zu Islamisten. Der Mann gab im April
den Vorsitz des Vereins an einen Verwandten ab. «Ob er sich aus dem
Geschäft zurück gezogen hat, wissen wir aber nicht», sagte der CDU-
Fraktionsvorsitzende in der Bezirksverordnetenversammlung von Mitte,
Thorsten Reschke. «Wir sehen die Kita nach wie vor kritisch.» Der
CDU-Innenexperte im Abgeordnetenhaus, Frank Henkel, forderte, der
Staat müsse wachsam bleiben. «Es ist äußerst beunruhigend, dass
Morgenland e.V. nun doch eine Kita betreiben darf.»
Stadtrat Fritsch kündigte an, dem Verein werde genehmigt, bis zu
45 Kinder in der Kita an der Brunnenstraße zu betreuen. Das
notwendige geeignete Personal sei eingestellt, die baulichen
Kriterien erfüllt. «Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, muss die
Erlaubnis gegeben werden», erklärte der Behördenleiter. Die Behörden
hätten nur die Möglichkeit, diese mit Auflagen zu verbinden.






























