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Schmerzhafte Fragen neu gestellt

«Woche der Erinnerung» im Stadtpark eröffnet

erstellt 10.06.08, 20:30h, aktualisiert 10.06.08, 20:54h
Lesung
Regula Steiner-Tomic und Bernd Lambrecht vom Anhaltischen Theater Dessau bei der szenischen Lesung «Im Namen des Volkes». (MZ-Foto: Sebastian)
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Dessau/MZ/sib. "Im Namen des Volkes" rekonstruiert anhand des Gerichtsurteiles die Tat vor acht Jahren im Stadtpark, bei der der in Dessau lebende Afrikaner Alberto Adriano einem Gewaltexzess dreier betrunkener Rechtsextremer zum Opfer fiel. Eine szenische Lesung mit Regula Steiner-Tomic und Bernd Lambrecht vom Anhaltischen Theater Dessau eröffnete am Dienstagabend nahe des Tatorts die "Woche der Erinnerung", in der bis zum 17. Juni vielgestaltig an einen der dunkelsten Tage jüngerer Dessauer Geschichte gedacht wird.

Vor kleinem Publikum zitieren die Schauspieler Zeugenaussagen, Gerichtsprotokolle, ärztliche Bescheinigungen. Wecken durch die knappen Beschreibungen ungute Erinnerungen, denen sich schmerzhafte Fragen anschließen sollen: Was empfinde ich? Will ich mich mit den Dingen auseinander setzen oder weggehen?

May Minhels Empfindungen sind klar. Der 14-jährigen Irakerin strömen die Tränen über das junge Gesicht. "Ich verstehe solche Leute nicht. Herr Adriano hatte doch kleine Kinder, die dann ohne Vater aufwachsen mussten." May stellt die Frage heute auf öffentlicher Bühne: "Papa, was ist ein Fremder?" Gleichnamiges Buch von Thar Ben Jellun hat die Vorbereitungsgruppe zur "Woche der Erinnerung" um Mika Kaiyama als Dialog zwischen Vater und Tochter adaptiert. Am Mittwoch um 15.30 Uhr ist Uraufführung an der Adriano-Stele, sprechen Rainer Böhm vom Anhaltischen Theater und May Minhel über natürliches Misstrauen, Vorurteile, Ausgrenzung, Rassismus im ganz normalen, bürgerlichen Alltag.

Zur Gedenkveranstaltung am Mittwoch,15 Uhr, im Dessauer Stadtpark spricht Innenminister Holger Hövelmann.


    
    
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