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Fußballmythos wird Theater

Deutsch-deutsches Spektakel beim Festival in Halle - Noch kaum Resonanz im Westen

VON Detlef Färber, 21.05.08, 21:09h, aktualisiert 21.05.08, 22:14h
Jürgen Sparwassers eleganter Slalomlauf
Die berühmte Szene und ihr neuer Schauplatz: Jürgen Sparwassers eleganter Slalomlauf durch die westdeutsche Abwehrreihe von vor 34 Jahren in Hamburg wird nun im halleschen Kurt-Wabbel-Stadion zum Kunstereignis - und für die Zuschauer zu einem Happening. (Fotomontage: Steffen Biedermann)
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Halle/MZ. Es war ein magischer Moment, wie es nur ganz wenige gab zwischen den beiden Deutschländern: "Sparwasser - Schuss und Tor!" Das war Hamburg im Sommer 1974 bei der Fußballweltmeisterschaft. Ein Moment tiefer Zusammengehörigkeit - wie sich zeigen sollte. Zigtausend mal musste der Magdeburger Jürgen Sparwasser, der inzwischen in Frankfurt / Main lebt, über sein berühmtestes Tor erzählen. Und jetzt wird er auch noch zum Kunstwerk.

Eine spektakuläre Performance im Kurt-Wabbel-Stadion ist als Höhepunkt des Festivals "Theater der Welt" im Juni in Halle geplant. Dabei spielt der Schweizer Schauspieler Massimo Furlan über 90 Minuten Sparwassers Partie nach. Zuvor intoniert Halles Jugendblasorchester die beiden Hymnen und - der Clou: Alle 5000 Zuschauer, die eine Eintrittskarte ergattert haben, bekommen (übrigens zum Mitnehmen) eine Art Radio in die Hand, in dem die Radiokommentare Ost und West des Spiels vor 34 Jahren laufen: "Umschalten erwünscht", sagt Festival-Chef Torsten Maß, der die Performance mit Massimo Furlan konzipiert hat. Furlan - ein fußballverrückter Künstler von internationalem Rang - hatte vor zwei Jahren als ähnliches Spektakel schon mal in Frankreich ein "Jahrhundertspiel" - das gegen Deutschland von 1982 - in Gestalt des französischen Fußballkönigs Michel Platini nachinszeniert. "Das war Kult und ein Riesenerfolg", sagt Maß. "Die Leute im Stadion haben die ganze Zeit gesungen und die La-Ola-Welle kreisen lassen."

Ob Halles Fußball-Theater-Spektakel in Deutschland genauso einschlägt, ist aber noch nicht so sicher. Zwar sind bereits mehr als die Hälfte der Tickets verkauft. Auch werden neben Sparwasser und Halles Fußball-Legende Bernd Bransch - damals Kapitän des DDR-Teams - noch etliche ihrer Mannschaftskameraden im Stadion sein - eingeladen ist jedenfalls das ganze Team.

Doch ob die Wiedervereinigung mit den Rivalen von damals gelingt, scheint derzeit fraglich. Eine telefonische Absage kam bereits vom vielbeschäftigten "Kaiser Franz", dem einzigen persönlich eingeladenen West-Spieler. Beckenbauer rief den Festival-Chef Maß sogar zurück: "Da hätten's zehn Jahre eher anrufen müssen", da sei der Termin noch frei gewesen. "Er hat es wirklich bedauert", erinnert sich Maß. Unverständlich ist, warum der Deutsche Fußballbund (DFB) keinen Vertreter nach Halle schicken will. Obwohl an diesem Tag bei der gleichzeitig stattfindenden Europameisterschaft kein deutsches Spiel auf dem Programm steht, seien die Funktionäre unabkömmlich. "Die haben da Abenddienst", habe DFB-Präsident Theo Zwanzigers launige Absage gelautet - sagt Maß.

Sparwasser schüttelt darüber den Kopf. "Manche im DFB würden dieses Spiel wohl am liebsten aus der Chronik streichen", meinte er etwas gallig. Bleibt als bislang einziger West-Akteur, der in Halle zugesagt hat, Star-Reporter Heribert Fassbänder. Mit seinem Ostkollegen Heinz-Florian Oertel, der leider in Halle absagen musste, hatte er vor 13 Jahren ein Revival des Hamburger Klassikers mit fast allen Veteranen kommentiert. Und nun freut sich Fassbänder darauf, den deutschen Fußballmythos mal als Theater vorgeführt zu kriegen.

Was das Spiel damals sportlich bedeutete, brachte Sparwassers Gegenspieler Hans-Georg "Katsche" Schwarzenbeck auf den Punkt: "Ohne diesen Schock wären wir womöglich nicht Weltmeister geworden", so Beckenbauers Verteidigerkollege. Als Sparwassers Tor fiel, war das Spiel für den Abwehrstar wegen einer Verletzung freilich schon zu Ende. Ob er den legendären Treffer hätte verhindern können? - "Wer soll das wissen", wehrt Schwarzenbeck die Frage ab. Schließlich sei Sparwasser damals ein Weltklasse-Stürmer gewesen. Sollte man diese Erinnerung nicht doch auffrischen? - Festival-Chef Maß will nun auch Schwarzenbeck und seine Mitstreiter aus dem West-Team noch alle nach Halle einladen. Kommentar, Seite 10

Performance "22. Juni 1974, 21 Uhr 03" im Kurt-Wabbel-Stadion am 22. Juni, 18 Uhr. Tickets auf der Kulturinsel.


    
    
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