Keine neue Spitze gewählt
Notvorstand im Tierschutzverein bleibt
VON Sylke Kaufhold, 16.05.08, 20:12h, aktualisiert 16.05.08, 20:18h

Gedränge am Wahltisch: Mangels Wahlurne musste ein ausgedienter Ketchupeimer diese Funktion übernehmen. Das Ergebnis indes beeinflusste das nicht: Keiner der Kandidaten erhielt die erforderliche Mehrheit. (Foto: MZ)
Dessau/MZ. Der Tierschutzverein Dessau und Umgebung wird auch künftig mit dem kürzlich berufenen dreiköpfigen Notvorstand arbeiten. Dies ist das Ergebnis einer Wahlversammlung, zu der die Mitglieder am Donnerstagabend aufgerufen waren.
Die letzte Versammlung ist gerade einmal fünf Wochen her. Damals hatte die Mitgliederversammlung nach dem erzwungenen Rücktritt des Vorstands um Daniela Koppe eben diesem Notvorstand das Vertrauen ausgesprochen und ihm die Aufgabe gegeben, Ordnung in den Geschäftsbetrieb des Vereins zu bringen. Der Notvorstand war aber drei Wochen später von elf Vereinsmitgliedern aus der Koppe-Fraktion beim Amtsgericht Stendal in Misskredit gebracht worden. In einem Antrag hatte die Gruppe die sofortige Absetzung des Notvorstandes gefordert.
Die Mitgliederversammlung verlief erwartet spannungs- und emotionsgeladen. Dafür sorgte insbesondere das Agieren Daniela Koppes, die für die Durchsetzung ihrer Interessen inzwischen mehrere Anwälte beschäftigt. Koppe war am 22. April aufgrund eines zuvor in der MZ veröffentlichten Leserbriefes vom Notvorstand aus dem Verein ausgeschlossen worden. Ihre Anhörung wurde am Donnerstagabend nachgeholt. Im Ergebnis dessen befürworteten 28 der anwesenden 43 Vereinsmitglieder diese Entscheidung.
Für den neu zu wählenden Vorstand kandidierte sie dennoch - um wieder Vorsitzende zu werden. Das Vereinsgesetz lässt dies zu. Für noch mehr Aufregung sorgte ein zweiter Kandidat auf der Liste: Lutz Lange. Der ist Vorsitzender des DVU-Kreisverbandes Dessau-Roßlau, einer Partei, die aus Sicht des Bundesamtes für Verfassungsschutz "die mitgliederstärkste rechtsextremistische Partei" in Deutschland ist.
Wulf Hatton, Mitglied des Notvorstandes, hatte vor der Wahl darauf aufmerksam gemacht - mit dem Hinweis, dass im Falle einer Wahl Langes ein Imageschaden für den Verein zu erwarten sei. Im Vorfeld hatten einige Vereinsmitglieder sowie die Stadt Dessau-Roßlau das Mobile Beratungsteam gegen Rechtsextremismus in Anhalt um Rat gefragt. Mario Bialek war als Vertreter am Donnerstag anwesend. Lange erklärte im Verlauf des Abends, "seit längerer Zeit" nicht mehr Mitglied der DVU zu sein. Die Internetseite des Kreisverbandes wies ihn aber am Freitagvormittag noch als Kreisvorsitzenden aus.
Drei Namen standen am Ende auf dem Stimmzettel: Daniela Koppe, Lutz Lange und Gudrun Hankel. Keiner erhielt die Mehrheit der Stimmen. Lange kündigte daraufhin an, die Wahl anzufechten.
Wahlleiterin Regina Gröger schlug aufgrund des Wahlergebnisses vor, den Notvorstand weiter im Amt zu belassen. "Um einigermaßen Ruhe reinzukriegen." Der Notvorstand solle in Ruhe die Grundlage für Neuwahlen schaffen und seine begonnene Arbeit fortsetzen. Die Mitgliederversammlung stimmte dem zu. Eine Klärung mit dem Registergericht wollte Regina Gröger vornehmen.
Der Notvorstand hatte zuvor in seinem Tätigkeitsbericht informiert, dass seit dem 1. Januar im Tierheim keinerlei Buchungen erfolgt sind. Er begründete dies mit einem "veralteten PC-Programm". Um dem Problem abzuhelfen, sei inzwischen ein Steuerberater hinzugezogen worden. Weitere Unterlagen liegen zur Überprüfung bei der Stadt. "Das öffentliche Ansehen des Vereins ist stark beschädigt worden", konstatierte Wulf Hatton die Situation und mahnte eindringlich einen Neuanfang an. Ob dieser jetzt gelingen wird, werden die nächsten Monate zeigen.

























