Thüringen
Verstimmung am Runden Tisch
Vorwürfe einer Pfarrersfamilie - Gesprächsversuch über Fremdenfeindlichkeit in Rudolstadt
VON Markus Decker, 09.05.08, 20:23h, aktualisiert 09.05.08, 22:28h

Die Pfarrersfamilie Neuschäfer verließ Rudolstadt, weil sie sich fremdenfeindlichen Anfeindungen ausgesetzt fühlte. (Foto: privat)
Rudolstadt/MZ. Der Fall hat Rudolstadt aufgewühlt. Am Donnerstagabend setzte man sich im Thüringischen an einen Runden Tisch, um über Rechtsextremismus im Allgemeinen und die Familie des aus Köln stammenden evangelischen Schulbeauftragten Reiner Andreas Neuschäfer im Besonderen zu reden.
Die Pfarrersfamilie Neuschäfer "floh" aus Thüringen nach Westdeutschland - und zwar vor fremdenfeindlichen Anwürfen im Alltag. Neuschäfers Frau Miriam hat indische Wurzeln. Sieben Jahre lang wurden sie und einige ihrer fünf dunkelhäutigen Kinder nach eigener Darstellung von ganz normalen Leuten malträtiert. Bis sie gingen. Rudolstadt sah sich auf der Anklagebank, ebenso die evangelische Landeskirche, deren Angestellter Neuschäfer ist. Es sei unmöglich, dass man es als Mensch mit anderer Hautfarbe in Rudolstadt nicht ertragen könne, sagte Bürgermeisters Jörg Reichl (parteilos) zunächst. Dann hielt die Stadt inne. An die Neuschäfers erging ein Gesprächangebot.
Am Runden Tisch räumte der evangelische Landesbischof Christoph Kähler ein: "Neonazistisches Gedankengut macht vor der Kirche nicht halt." Der Fall Neuschäfer habe "aufgeschreckt". Danach referierte der "Zeit"-Redakteur Christoph Dieckmann.
Im Osten existiere eine verbreitete "Sehnsucht nach kleinstädtischer Homogenität", sagte Dieckmann. Da passten Dunkelhäutige schlecht ins Bild.
Später suchten sie nach Lösungen. Von qualifizierter Jugendarbeit war die Rede. Das Image habe Kratzer, resümierte nach der Sitzung der evangelische Superintendent Peter Taeger. "Aber die Stadt ist zusammen gerückt." Die Rudolstädter und die evangelische Kirche sehen kaum Anhaltspunkte dafür, dass die Version der nun im rheinischen Erkelenz lebenden Familie stimmt, wonach sie dramatisch unter Fremdenfeindlichkeit hätten leiden müssen.
Gerade die Seite der Kirche dominiert gereizte Verstimmung. Neuschäfer kontert: "Es werden Dinge erfunden, um uns unglaubwürdig zu machen." Im Runden Tisch sieht er ein Ablenkungsmanöver. Während die Amtskirche sagt, Neuschäfer trage zur Konfliktbewältigung nichts bei. "Friede beginnt mit der direkten Debatte unter den Beteiligten", mahnte der Bischof bei einem Friedensgebet nach dem Gespräch am Runden Tisch. "Friede ist konkret", sagt er. Unfriede ist es leider auch.






























