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Sachsen-Anhalt

Neue Fragezeichen hinter Jalloh-Prozess

Nach Angeklagtem auch Schöffe erkrankt - Brand wurde rekonstruiert

VON Katrin Löwe, 25.04.08, 20:59h, aktualisiert 25.04.08, 21:02h
Karin Sakowski
Auf Monitoren verfolgte Instituts-Mitarbeiterin Karin Sakowski am Freitag den von einer Wärmebild- und einer Videokamera aufgezeichneten Brandverlauf im Zellen-Nachbau. (MZ-Foto: Andreas Stedtler)
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Heyrothsberge/MZ. Die neueste Hiobsbotschaft im Prozess um den 2005 in einer Dessauer Polizeizelle umgekommenen Asylbewerber Oury Jalloh hat sich unter den Beteiligten schnell herumgesprochen: Nach dem Hauptangeklagten Andreas S. hat nun auch ein Schöffe einen Schlaganfall erlitten. Ob die Verhandlung fortgesetzt werden kann, ist damit offen.

Seit mehr als einem Jahr stehen in Dessau-Roßlau zwei Polizisten wegen Körperverletzung mit Todesfolge und fahrlässiger Tötung vor Gericht. Einer soll nicht schnell genug auf den Brandalarm reagiert, der andere bei der Durchsuchung Jallohs ein Feuerzeug übersehen haben. Jalloh war im Januar 2005 gestorben, nachdem er selbst - gefesselt an Händen und Füßen - in einer Gewahrsamszelle die Matratze angezündet haben soll.

Der Hauptangeklagte ist nach seinem Mitte April erlittenen leichten Schlaganfall inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen und wird vermutlich nach einer dreiwöchigen Rehabilitation noch in der vorgeschriebenen Frist verhandlungsfähig sein. "Ob der Schöffe rechtzeitig gesund wird, lässt sich derzeit nicht abschätzen", so Gerichtssprecher Frank Straube. Insgesamt darf der Prozess nur neun Wochen unterbrochen werden - gerechnet ab dem letzten Prozesstag am 28. März. Ansonsten müsste er komplett von vorn beginnen. "Das wäre eine Katastrophe", so Nebenklage-Anwalt Ulrich von Klinggräf.

Ein neuer Schöffe darf laut Gesetz nicht eingesetzt werden. Ergänzungsschöffen, wie sie bei langwierigen Prozessen von vornherein bestimmt werden, gibt es nicht. "Wäre absehbar gewesen, dass sich das Verfahren so lange hinzieht, hätte man sie mit Sicherheit bestellt", so Straube. Ursprünglich hatte das Gericht nur sechs Verhandlungstage geplant. Nach widersprüchlichen Zeugenaussagen von Polizisten waren aber immer mehr Beamte vorgeladen worden.

Am Feuerwehr-Institut in Heyrothsberge bei Magdeburg ist unterdessen am Freitag in einem Zellennachbau der Brand erneut rekonstruiert worden. Das im Januar vom Gericht bestellte Gutachten ist das dritte, das Jallohs Tod näher untersucht. Es soll vor allem Erkenntnisse über die genaue Hitze-Entwicklung im Bereich des Oberkörpers von Jalloh liefern, um besser zu klären, in welchem Zeitraum er hätte gerettet werden können. In dem Zellennachbau wurden dafür elf Messfühler installiert, so Gutachter Klaus Steinbach. Das Gutachten soll bis Ende Mai vorliegen.


    
    
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