Sachsen-Anhalt
Land will Demos von Nazis verhindern
Deutliche Verschärfung des Versammlungsrechts geplant
VON Manuela Bank, 15.04.08, 22:03h

Ein breites Bündnis will den Geschichtsmissbrauch durch Neonazis verhindern. (Foto: dpa)
Magdeburg/MZ. Die Landesregierung will verstärkt
gegen rechtsextreme Demonstrationen an Gedenkstätten
und bestimmten Tagen vorgehen. Das Kabinett
brachte einen Gesetzentwurf auf den Weg.
Das geplante Versammlungsgesetz
für Sachsen-Anhalt soll weitgehend der Bundesgesetzgebung
folgen, sie aber in einem wesentlichen Punkt
deutlich verschärfen. Damit ist nicht mehr
allein eine Gefährdung der Ordnung und öffentlichen
Sicherheit bei einem Versammlungsverbot von
Belang. "Wir wollen politische Demonstrationen
rechtsextremer Gruppen an bestimmten historischen
Tagen und historischen Stätten unterbinden",
sagte Innenminister Holger Hövelmann (SPD).
Das heißt: Unterbunden werden sollen Aktionen,
"wenn Anlass zur Sorge besteht, dass die Würde
der Opfer von politischer Verfolgung verletzt
werden" könnte. Benannt sind im Entwurf zehn
Orte - zum einen Erinnerungsstätten für Nazi-und Kriegsopfer, aber auch zwei Stätten, an
denen an Menschenrechtsverletzungen während
der SED-Diktatur erinnert wird. Aufgeführt
sind ebenso sieben Daten, die historische
Bedeutung haben.
"Wir sind bislang nur eingeschränkt in der
Lage, solche Demonstrationen zu verbieten",
so Hövelmann. Bisher waren Demonstrationsverbote
an den benannten Orten wiederholt ein Fall
für die Gerichte - mit wechselhaftem Ausgang.
Das neue Versammlungsrecht soll daher eine
klare Rechtsgrundlage schaffen. So schließe
die Formulierung im Entwurf auch nicht aus,
dass eine von einer Partei wie der NPD angemeldete
Demonstration untersagt werden könne, sagte
Martin Krems, Sprecher im Innenministerium.
"Wir betreten mit dem Gesetzentwurf kein juristisches
Neuland", so Krems. Im Bundesversammlungsrecht
gebe es diesen Passus für das Holocaust-Denkmal
in Berlin.
Die Landtagsfraktion Die Linke sieht indes
noch Klärungsbedarf. Es müsse sorgfältig geprüft
werden, ob die Pläne tatsächlich geeignet
seien, öffentliche rechtsextremistische Provokationen
im gewünschten Maß zu verhindern. "Eine politisch
motivierte Einschränkung des Versammlungsrechtes
kann nicht demokratisches Ziel sein." Man
plädiere daher dafür, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit
außerordentlich sensibel zu behandeln, sagte
Gudrun Tiedge, rechtspolitische Sprecherin
der Linken im Landtag.



































