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Medienstreit

Anzeige gegen die ARD

«Tagesthemen»-Bericht zu Rudolstädter Skandal sorgt für Streit

VON Markus Decker, 15.04.08, 19:08h
Berlin/MZ. Ein Flaggschiff des öffentlich-rechtlichen Fernsehens hat in einem brisanten Fall eine zweifelhafte Figur gemacht. Den "Tagesthemen" wird Boulevardjournalismus zur Last gelegt, bei der Polizei liegt sogar eine Anzeige wegen Verleumdung und Volksverhetzung gegen die ARD vor.

Der in der vergangenen Woche gesendete Beitrag schildert die Geschichte des Pfarrers Reiner Andreas Neuschäfer, der die rund 25000 Einwohner zählende Kommune Rudolstadt in Thüringen mit seiner indischstämmigen Frau und den fünf Kindern nach sieben Jahren verlassen hat. Der Grund: Fremdenfeindlichkeit. Die "Tagesthemen" lassen die Familie sprechen und zeigen Reaktionen im Ort - eine solide Arbeit. Angekündigt wurde sie allerdings mit den Worten: "Rechter Terror: Neonazis vertreiben Pfarrersfamilie".

Genauso war bereits in der "Tagesschau" knapp drei Stunden zuvor auf den Film hingewiesen worden. Hinter Moderator Tom Buhrow hatte die Regie zudem Hinterköpfe von Skinheads eingeblendet. Eine falsche, effektheischende Zuspitzung der Dinge. Denn von Neonazis war nie die Rede. Im Gegenteil: Folgt man den Betroffenen, dann ist das, was sie erlebten, der Beweis dafür, dass Fremdenfeindlichkeit aus der Mitte der Gesellschaft kommt. Wollten Buhrow und sein Team die zuletzt eher bescheidene Einschaltquote nach oben treiben?

Der zweite Chefredakteur von ARD-Aktuell, Thomas Hinrichs, weist die Kritik im Kern zurück. "Sollte der Eindruck entstanden sein, die Rudolstädter seien in ihrer Gesamtheit neonazistisch, dann bedauern wir das sehr", sagte er der Mitteldeutschen Zeitung. "Es ist aber aus der Berichterstattung heraus erkenntlich, dass der Vorwurf unberechtigt ist. Uns ging es darum, den Satz ,So was wie Dich hätte man früher zwangssterilisiert‘ auf den Punkt zu bringen." Dies war einer der Sätze, den Miriam Neuschäfer hören musste.

Insgesamt haben Medienberichte einiges bewegt - zum Positiven. Die Evangelische Landeskirche hat das Gespräch mit ihrem Pfarrer gesucht, am 8. Mai ist ein Runder Tisch geplant. Seitdem Kölner Stadt-Anzeiger und Mitteldeutsche Zeitung am 2. April erstmals über den Fall schrieben, haben sich viele Medien angeschlossen. Übertreibungen blieben die Ausnahme.



    
    
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