Landgericht Dessau-Roßlau
Prozess um Feuertod von Jalloh wird unterbrochen
Anlass: Einer der beiden angeklagten Polizisten erleidet einen Schlaganfall
erstellt 15.04.08, 10:41h, aktualisiert 15.04.08, 17:50h

Der aus Sierra Leone stammende Asylbewerber Oury Jalloh starb am 7. Januar 2005 in dieser Zelle. (MZ-Foto: Archiv)
Dessau-Roßlau/dpa. Der seit einem Jahr dauernde Prozess um
den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Dessauer
Polizeizelle ist unterbrochen worden. Grund sei die Erkrankung eines
Angeklagten, teilte das Landgericht Dessau-Roßlau am Dienstag mit.
Die 6. große Strafkammer habe beschlossen, die nächsten beiden
Verhandlungstermine am 18. April und 25. April aufzuheben. Laut dem
behandelnden Arzt hat der Angeklagte am 10. April einen ischämischen
Hirninfarkt - das ist eine Form des Schlaganfalls - erlitten. Er
befinde sich bis auf weiteres ins stationärer Behandlung.
«Ob und wann er wieder verhandlungsfähig sein wird, lässt sich
gegenwärtig nicht abschätzen», teilte Gerichtssprecher Frank Staube
weiter mit. Ein Prozess könne wegen eines Krankheitsfalls und wegen
der langen Verfahrensdauer unterbrochen werden, ohne dass er zunächst
neu aufgerollt werden müsse. In dem Verfahren müssen sich seit dem
27. März 2007 zwei Polizisten vor dem Landgericht verantworten. Dem
Ex-Dienstgruppenleiter wird Körperverletzung mit Todesfolge, dem
zweiten Polizisten fahrlässige Tötung, jeweils durch Unterlassen,
vorgeworfen. Beide haben die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft im
Wesentlichen bestritten.
Die Kammer hatte erwogen, am Institut der Feuerwehr Sachsen-Anhalt
in Heyrothsberge bei Magdeburg während eines öffentlichen
Verhandlungstages den tödlichen Brand zu rekonstruieren. Laut Straube
wurde nun auch beschlossen, dies nicht zu machen. Der
Brandsachverständigen wurde stattdessen beauftragt, dies in
Eigenregie durchzuführen und dazu ein Gutachten zu erstellen.
Die Todesumstände des 23 Jahre alten Afrikaners gelten bis heute als
nicht eindeutig geklärt.












































