Studie zum Verkehr
Bahn dünnt den Fernverkehr aus

Nach einer massiven Ausdünnung des Fernverkehrsnetzes in den vergangenen Jahren gehen die Experten von KCW davon aus, dass 16 weitere Städte, darunter auch Halle, ihre IC-Verbindungen verlieren könnten. Die von KCW erstellte Karte zeigt, dass seit dem Jahr 2000, als Bahnchef Hartmut Mehdorn das Zepter übernommen hatte, bereits in 24 Städten der direkte Anschluss ans Fernnetz wegfiel. "Grund war zumeist die Streichung der Interregio-Linien im Zuge des DB-Sparprogramms Mora P", erläutert KCW-Experte Michael Holzhey. In 20 weiteren Städten hat sich die Anbindung an IC und ICE seither verschlechtert. Die Folge: Die Zahl der Fahrgäste im Fernverkehr sank seit 2000 von 145 auf 119 Millionen Kunden. Ein weiterer Rückzug des Fernverkehrs aus der Fläche wäre mit den Privatisierungsplänen der Bundesregierung programmiert, warnt Arnd Schäfer von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs.
Denn anders als im Regionalverkehr, den die Länder bestellen und finanzieren, muss die DB die IC- und ICE-Züge ohne Zuschüsse eigenwirtschaftlich fahren. Nur ein Drittel der Verbindungen ist profitabel. Die logische Folge: "Das Angebot wird weiter ausgedünnt", so Holzhey. Bis 2011 soll die Sparte jedoch ihren Gewinn vor Steuern und Zinsen von 110 auf 570 Millionen Euro mehr als verfünffachen. Für KCW klares Indiz, dass ein weiterer Kahlschlag bevorsteht. Die Deutsche Bahn weist dies allerdings als "hanebüchene Stimmungsmache" zurück. "Es ist frei erfunden, dass Dutzende Halte im Fernverkehr aufgegeben werden sollen. Unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Arbeit werden hier unverantwortlich Ängste geschürt", sagte DB-Vorstand Karl-Friedrich Rausch.
Politiker und Fahrgast-Verbände sind aufgeschreckt: "Es wäre nicht akzeptabel, wenn die Bahn weitere Verbindungen kappt", sagte Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU). Die Bahn könne nicht nur die lukrativsten Strecken bedienen, sondern muss alle regionalen Zentren bedienen. So sieht es auch die Stadt Halle. "Als Universitätsstadt und Wirtschaftszentrum im Süden des Landes ist Halle auf gute Verbindungen angewiesen", so Stadt-Sprecher Steffen Drenkelfuß. Der Fahrgast-Verband Pro Bahn sieht durch die Studie seine Befürchtungen bestätigt: "Der Fernverkehr wird zum Problem", so Verbandssprecher Stefan Jungelt. Wie im Nahverkehr sollte auch im Fernverkehr überlegt werden, gewisse staatliche Zuschüsse zu zahlen, damit keine Region abgeschnitten wird.



























