Extremismus in Sachsen-Anhalt
Land bei rechten Straftaten weiter Spitzenreiter
Zahl der rechtsextremen Delikte steigt um fast neun Prozent - Opferberatung kritisiert Zahlen
VON Kai Gauselmann, 25.02.08, 14:48h, aktualisiert 05.02.09, 20:54h

Ein Passant geht vor dem alten Klubhaus in Halberstadt an der Stelle vorbei, an der in der Nacht zum 9. Juni 2007 eine Gruppe Schauspieler von rechtsextremen Schlägern angegriffen und einige von ihnen zum Teil schwer verletzt wurden. (Foto: ddp)
Magdeburg/MZ. Die Zahl rechter Straftaten
in Sachsen-Anhalt stieg im vergangenen Jahr
um 110 auf 1350 Fälle. Das ist laut Innenministerium
der höchste Stand seit 1994. "Der erneute
Anstieg rechts motivierter Straftaten erfüllt
mich mit Sorge", sagte Landes-Innenminister
Holger Hövelmann (SPD).
Um die rechten Straftaten in Sachsen-Anhalt
hatte es im vergangenen Jahr erheblichen Wirbel
gegeben, weil das Landeskriminalamt (LKA)
die Art der Erfassung umgestellt hatte. Fälle,
in denen es Zweifel an der politischen Motivation
gab, wurden als "ohne explizite politische
Motivation" eingeordnet. Dadurch sank die
Zahl rechter Taten um gut die Hälfte.
Als die so geschönte Statistik Empörung auslöste,
wurde der zuständige Abteilungleiter versetzt
und der LKA-Chef trat zurück. Laut
Hövelmann ist die Behörde nun zur alten Zählweise
zurückgekehrt.
Die rechten Straftaten werden zusammen mit
Delikten anderer Extremisten zur Statistik
politische Kriminalität zusammen gefasst.
Trotz des Anstiegs rechtsextremer Taten ging
die Zahl der Fälle dort insgesamt um 10,6
Prozent auf 1653 zurück. Das liegt vor allem
an einer Abnahme linker Straftaten um 80 auf
211 Fälle und eine Verringerung der nicht
eindeutig einer politischen Richtung zuzuordnenden
Straftaten um 145 auf 45 Fälle.
Schwerpunkt der politischen Kriminalität ist
die Polizeidirektion Nord. Dort wurden mehr
Fälle registriert, die beiden anderen Direktionen
erfassten weniger - die Direktion Ost verzeichnete
sogar einen Rückgang um 38 Prozent. Hövelmann hatte dafür keine Erklärung.
Was die Statistik angeht, sei in Dessau aber
wie überall gearbeitet worden. "In der Direktion
Ost lief die Erfassung - nach allem, was mir
vorgetragen wurde - wie in den anderen Direktionen
auch ab."
Das Land hat laut Hövelmann die Verfolgung
politischer Kriminalität seit Januar verstärkt.
Er habe mit der Polizeireform den Staatsschutz
erheblich aufgestockt. Nun arbeiteten statt
80 landesweit 180 Beamte in diesem Bereich.



































