Zeuge steht zu der belastenden Aussage
Landgericht: Berufungsverfahren zur Schlägerei
VON Bianca Großmann, 21.02.08, 22:03h, aktualisiert 21.02.08, 22:44h
Bernburg/Magdeburg/MZ. "Wenn Rechte zusammen feiern und durch große Reden die Stimmung anheizen, dann schreit es irgendwann nach einer Aktion", führte der Vorsitzende Richter am Donnerstag am Landgericht Magdeburg aus, als der Hauptbelastungszeuge Tino Kallemberger (alle Namen geändert) zu einem Überfall auf Jugendliche am 18. November 2006 gehört wurde.
Vor dem Amtsgericht Bernburg war er geständig gewesen, belastete damit die anderen Angeklagten und akzeptierte im Gegensatz zu ihnen das Urteil. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sollte den Bernburger vor seiner Aussage im Berufungsverfahren bewahren - erfolglos. Gemeinsam mit zwei seiner Opfer - einer von ihnen gab ebenfalls an, erkrankt zu sein wurde er am Donnerstag polizeilich vorgeführt. Kallemberger bleibt bei seinen früheren Aussagen.
Kleinlaut nuschelte er daher, dass bei einem Bekannten, der damals wie er und die Angeklagten rechts gewesen sei, eine Feier stattfand. Nach Berichten über Pöbeleien und Provokationen von Punkern habe einer die Idee gehabt, zu dem allseits bekannten Treff vor dem Gymnasium Carolinum zu ziehen - in Gruppen, um der Polizei nicht aufzufallen und es wurde "beschlossen, dass die eins drauf kriegen". Ob Mirko Kummer dabei war, darauf wollte sich Kallemberger am Donnerstag nicht festlegen. Bei den anderen drei Angeklagten zeigte er sich weiterhin sicher. Martin Kind fixierte ihn, sobald sein Name fiel. Die Gesichtsfarbe von Constantin Ahrendt wechselte während der Beschreibungen in ein tiefes Rot.
Ahrendt ist der Cousin des Zeugen. Er versichert, am besagten Abend Bewerbungen geschrieben zu haben und behauptet, Kallemberger wolle ihm wegen persönlicher Konflikte nur etwas auswischen. Der Richter setzte den 19-jährigen Bernburger daraufhin unter Druck: "Es ist nicht zu spät, die Notbremse zu ziehen. Nichts ist fieser, als jemanden in dieser Lage dem Knast auszusetzen." Kallemberger steht zu seiner Aussage. Während einer kurzen Unterbrechung auf Wunsch eines Rechtsanwaltes bleibt er im Zeugenstand sitzen, solange die vier Angeklagten alle nach draußen gehen.
Es bleibt bei der Situation Aussage gegen Aussage. Auch die Opfer können keinen Aufschluss bringen. Im Dunkeln und wegen Vermummungen wurde niemand eindeutig erkannt. Andere wollen sich an nichts erinnern oder sich nicht dafür interessieren. Ein verprügelter Punker gab am Donnerstag an, dass er am 18. November im Krankenhaus war, aber die Vorgeschichte nicht kenne. Er war betrunken auf der Treppe vor dem Gymnasium eingeschlafen. Die Akten berichten von einer Platzwunde am Kopf, Prellungen, Abschürfungen, einem verlorenen Backenzahn. Er habe das Krankenhaus auf eigenen Wunsch verlassen und danach nicht nach den Namen von möglichen Angreifern gefragt, gab er an. Am Freitag ist der vorerst letzte Termin angesetzt. Die Beteiligten können daher mit einem Urteil rechnen.




























