Sachsen
«Geh denken» gegen rechte Gedanken
Tausende Dresdner wehren sich gegen Aufmarsch von Rechtsextremen
erstellt 17.02.08, 18:09h

Polizisten stehen während eines Neonazi-Aufmarsches im Stadtzentrum von Dresden. An dem Aufmarsch nahmen nach Polizeiangaben etwa 3800 Anhänger der Gruppierung «Junge Landsmannschaft Ostdeutschland» (JLO) teil. (Foto: ddp)
Dresden/dpa. Unter dem Motto «Geh denken» haben mehrere tausend
Menschen einen provokativen Aufmarsch von Rechtsextremisten 63 Jahre
nach der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg abgeblockt. Die
Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Dresdens, Nora Goldenbogen, sagte
am Samstag bei einem Halt der Demonstranten an der neuen Synagoge:
«Nazis sollen in Dresden nicht mehr aufmarschieren können.» Der
amtierende Dresdner Oberbürgermeister Lutz Vogel forderte zum
Nachdenken darüber auf, «warum wir unsere Vergangenheit nicht
loslassen dürfen».
Zu der Aktion «Geh Denken» hatte ein breites Bündnis aufgerufen,
um wie in den Vorjahren an die nationalsozialistische Vorgeschichte
der Zerstörung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 zu erinnern. Die
Veranstalter sprachen von mindestens 6000 Teilnehmern. Das seien mehr
als in den vergangenen Jahren gewesen, sagte Dresdens DGB-Chef Ralf
Hron. Es sei ein Erfolg, dass die Rechtsextremen nicht wie geplant
zur Synagoge ziehen durften, weil sich dort der Demonstrationszug
aufhielt. Die Polizei sprach von rund 2000 Teilnehmern.
Zeitgleich bewegte sich ein sogenannter Trauermarsch der
rechtsextremistischen «Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland» durch
die Innenstadt. Dieser hatte laut Polizei 3800 Teilnehmer. Zudem
waren hunderte Anhänger der linken Szene in der Stadt unterwegs,
darunter auch gewaltbereite Autonome. Sie fanden sich zu einer
Spontandemonstration zusammen. Von den rund 1000 Teilnehmern gehörten
laut Polizei 600 bis 700 offenkundig der linksextremen Szene an.
Die Polizei war mit rund 3300 Beamten aus zehn Bundesländern im
Einsatz. 63 Menschen wurden in Gewahrsam genommen, 5 weitere
festgenommen. Es wurden Ermittlungen wegen Verstößen gegen das
Versammlungsgesetz, Körperverletzungen und Sachbeschädigung
eingeleitet. Die Polizei verhinderte mehrfach das Aufeinandertreffen
linker und rechter Demonstranten. Zwei Einsatzfahrzeuge wurden
beschädigt.
Bereits am Samstagmorgen hatten mehrere hundert Menschen
angesichts der Rechtsextremisten-Demonstration ihre Solidarität mit
der Jüdischen Gemeinde bekundet. Jüdische und nichtjüdische Besucher
nahmen am Sabbat-Gottesdienst teil. In der vollbesetzten Synagoge
dankte Landesrabbiner Salomon Almekias-Siegl den Besuchern und sprach
von einem bewegenden Bild, das Hoffnung gebe. Zum Abschluss des
Gottesdienstes bekundeten Vertreter anderer Kirchen ihre
Verbundenheit mit der rund 750 Mitglieder zählenden Jüdischen
Gemeinde ion Dresden.
Dresden war im Februar 1945 bei Luftangriffen US-amerikanischer
und britischer Bomber stark zerstört worden. Nach Schätzungen starben
etwa 35 000 Menschen. Bereits am Mittwoch - am 63. Jahrestag der
Zerstörung - hatten die Dresdner mit Kranzniederlegungen,
Gottesdiensten und Konzerten an die Opfer der Bombennächte erinnert.



































