Rassismus bei Polizei
Ermittlungen endeten nach nur einem Tag
Kritik an Staatsanwalt - Auch das Klima in der CDU/SPD-Koalition leidet
VON Kai Gauselmann, 13.02.08, 20:34h, aktualisiert 14.02.08, 08:04h

Zum dritten Todestag des Afrikaners Oury Jalloh gab es im Dezember eine Gedenkveranstaltung. (Foto: dpa)
Magdeburg/MZ. Ein erst jetzt bekannt gewordener
Fall von Rassismus bei der Polizei Halle zieht
Kreise. Politiker kritisieren ein allzu schnelles
Ende der Ermittlungen. Auch das Klima in der
CDU/SPD-Koalition leidet.
Die Mühlen der Justiz
mahlen langsam? Nicht in diesem Fall: Am 17.
Februar 2005 forderte Halles Polizeipräsident
Walter Schumann die Staatsanwaltschaft auf,
zu prüfen, ob die rassistischen Äußerungen
eines Beamten Volksverhetzung sind. Waren
sie nicht, entschied die Staatsanwaltschaft
- und zwar noch am selben Tag. "Das ist außergewöhnlich
schnell", wundert sich Holger Stahlknecht,
Vizechef der CDU-Landtagsfraktion.
"Das ist nicht ungewöhnlich, alle Fakten lagen
auf dem Tisch", sagte Oberstaatsanwalt Andreas
Schieweck. Die Ermittlungen seien eingestellt
worden, weil der "öffentliche Frieden" durch
den Vorfall vor drei Jahren nicht gestört
worden sei. "Schwarze brennen eben mal länger",
hatte ein Dienststellenleiter im höheren Polizeivollzugsdienst
während einer Führungskräfte-Besprechung der
Polizeidirektion Halle über den Tod des Asylbewerbers
Oury Jalloh gesagt. Jalloh war kurz zuvor
in einer Dessauer Polizeizelle bei lebendigem
Leibe verbrannt. Laut einem Brief des bei
der Besprechung anwesenden Beamten Heinz-Günther
B. reagierte nur er selbst auf die rassistische
Äußerung seines Kollegen, mit der Bemerkung
"Das ist doch unmöglich". Die übrigen Beamten
griffen demnach nicht ein. "Der Diskussionsablauf
war für ein paar Sekunden unterbrochen, wurde
danach fortgeführt", schrieb B. in dem Brief
an Polizeipräsident Schumann. Eine Störung
des öffentlichen Friedens hat die Staatsanwaltschaft
Halle ausgeschlossen, "weil es sich dort um
hohe Polizeibeamte handelte, bei denen so
etwas nicht auf fruchtbaren Boden fällt",
so Schieweck.
Die Begründung bewerten Rechts- und Innenexperten
der Landtagsfraktionen unterschiedlich. Stahlknecht
und Bernward Rothe (SPD) halten sie für vertretbar,
Gudrun Tiedge (Linke) und Veit Wolpert (FDP)
nicht. "Das ist nicht stichhaltig. Polizisten
sind nicht per se bessere Bürger", so Wolpert.
Tiedge sagte: "Ich finde das fragwürdig. Volksverhetzung
ist doch kein Bagatelldelikt. Da muss man
auch andere Beteiligte hören."
Der Vorfall wurde erst jetzt im Landtags-Untersuchungsausschuss
bekannt, der Verfehlungen der Polizei aufklärt.
Innenminister Holger Hövelmann (SPD) hatte
dabei betont, dass der Vorfall nicht in seine
Amtszeit fällt und kritisierte indirekt seinen
Vorgänger Klaus Jeziorsky (CDU). Das empörte
am Mittwoch die CDU. "Die Art von Hövelmann ist
von einem fairen Umgang weit entfernt", so
CDU-Innenexperte Jens Kolze. Hövelmanns Kritik
sei der Versuch, vom Untersuchungsausschuss
abzulenken.



































