Hundertwasserhaus in Magdeburg
«Thor Steinar»-Laden wird zwangsgeräumt
Landgericht: Vermieter über Warenangebot getäuscht - Urteil noch nicht rechtskräftig
erstellt 13.02.08, 11:18h, aktualisiert 14.02.08, 07:49h

In der Magdeburger Innenstadt hängt vor dem Hundertwasserhaus das Logo des Bekleidungsladens Narvik. (Foto: ddp)
Magdeburg/MZ/sre. Die in der
rechtsextremen Szene beliebte Modemarke "Thor
Steinar" darf nicht mehr im Magdeburger Hundertwasserhaus
verkauft werden. Das entschied am Mittwoch das
Magdeburger Landgericht, das damit einer Räumungsklage
des Vermieters gegen den Betreiber des "Narvik"-Shops
stattgab.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der
Betreiber den Vermieter bei Vertragsabschluss
arglistig getäuscht habe, indem er unvollständige
Angaben machte. Der potenzielle Mieter habe
gegenüber dem künftigen Vermieter eine Aufklärungspflicht
und dürfe seinen "Wissensvorsprung" über die
vertriebene Marke nicht für sich behalten.
Bei "Thor Steinar" handele es sich um einen
"belasteten Markennamen". Selbst wenn die
Verwendung der Symbolik nach der Rechtsprechung
des Brandenburgischen Oberlandesgerichtes
nicht strafbar sei, so existiere in der Öffentlichkeit
doch ein Bild, das negativ besetzt sei. Das
Gericht argumentierte, dass in der Folge "die
Wertschätzung des Einkaufszentrums leide",
was ein Vermieter nicht hinnehmen müsse. Monatelange
Proteste gegen den Laden hatten das Verfahren
begleitet.
Das Urteil selbst ist noch nicht rechtskräftig.
Ladenbetreiber Uwe Meusel erklärte, er wolle
zunächst die schriftliche Begründung auswerten,
bevor er über sein weiteres Vorgehen entscheide.
Das zur Katholischen Kirche gehörende Siedlungswerk
St. Gertrud als Vermieter begrüßte das
Urteil. "Wir sind erleichtert und erfreut,
dass das Gericht uns gefolgt ist", sagte
Geschäftsführerin Kathleen Schechowiak. Man
hoffe, dass das Urteil unabhängig von einem
eventuellen Rechtsmittel des Beklagten eine
Signalwirkung auf die Beendigung ähnlicher
Mietverträge in Berlin und Leipzig haben werde.
Innenminister Holger Hövelmann (SPD) nannte
die Entscheidung ein Zeichen, "dass sich bürgerliches
Engagement gegen Rechts lohnt". Magdeburgs
Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sprach
von einem "Erfolg für das Ansehen der Landeshauptstadt".
Auch die Linkspartei und Bündnis 90/ Die
Grünen begrüßten die Entscheidung.












































