Untersuchungsausschuss
Hochrangige Beamte im Zeugenstand
Frühere Polizeipräsidentin Scherber-Schmidt weist Vorwürfe zurück
erstellt 14.01.08, 19:59h

Die frühere Dessauer Polizeichefin Brigitte Scherber-Schmidt sagte vor dem Ausschuss aus. (MZ-Foto: Lutz Sebastian)
Magdeburg/ddp. Mit der Anhörung hochrangiger Polizeibeamter
hat der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Dessauer
Polizeiaffäre am Montag seine Arbeit fortgesetzt. Dabei wies die
frühere Dessauer Polizeipräsidentin Brigitte Scherber-Schmidt
Vorwürfe zurück, in der Direktion sei die Bekämpfung des
Rechtsextremismus gebremst worden. Der Rektor der Fachhochschule der
Polizei in Aschersleben, Rainer Nitsche, der ein Gutachten zu den
Vorgängen in Dessau angefertigt hatte, bestätigte vor dem Ausschuss
ihre Aussagen.
Der Untersuchungsausschuss soll klären, ob Polizeibeamte bei der
Verfolgung von rechtsextremen Straftaten Fehler begangen haben. Das
Gremium befasst sich mit insgesamt sechs Vorfällen. Unter anderem
hatten Staatsschützer dem ehemaligen Vizechef der Polizeidirektion
Dessau, Hans-Christoph Glombitza, vorgeworfen, Ermittlungen gegen die
rechtsextreme Szene gebremst zu haben. Glombitza weist die Vorwürfe
zurück.
Die Staatsschützer hatten bei ihrer Vernehmung im Dezember 2007
betont, Glombitza habe Anfang Februar vorigen Jahres in einem
Gespräch mit ihnen gesagt, dass sie angesichts hoher Zahlen von
rechtsextremistischen Straftaten bei den Ermittlungen «nicht alles
sehen müssen». Nitsche bezeichnete diese Äußerung als unglücklich.
Glombitza habe dafür eine Missbilligung des Innenministers erhalten.
Glombitza habe mit dem Gespräch erreichen wollen, dass die
Bekämpfung der rechtsextremen Kriminalität anders geschehe als
bisher, sagte Nitzsche. Die Prioritäten sollten verändert werden.
Statt der Ausweitung von Internetrecherchen sollten sich die Beamten
mehr den konkreten Vorgängen widmen.
Scherber-Schmidt sagte, die Verfolgung rechtsextremer Straftaten
sei seit Jahren Schwerpunkt der Arbeit der Behörde gewesen, und dies
sei während ihrer Dienstzeit auch so geblieben. Die Besetzung der
Abteilung Staatsschutz habe mit 14 Beamten im Soll gelegen. Seit der
Neustrukturierung der Polizei arbeitet Scherber-Schmidt im
Innenministerium. Sie verwies darauf, dass sie sich nach Kenntnis der
Vorwürfe der Staatsschutzbeamten an den leitenden Dessauer
Oberstaatsanwalt gewandt habe, damit dieser eine mögliche
strafrechtliche Relevanz prüfen könne. Außerdem habe sie das
Innenministerium in einem Brief darüber informiert.
Ein leitender Beamter sagte, die Arbeit des Staatsschutzes sei gut
gewesen. In der Direktion habe es keine Anweisung gegeben, auf die
Statistik politisch motivierter Straftaten Einfluss zu nehmen oder
Meldungen anders zu interpretieren.












































