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Unbequeme Wahrheiten über den Klimawandel

Ornithologin Maiken Winter spricht im Umweltbundesamt

VON Thomas Steinberg, 27.01.08, 19:25h, aktualisiert 27.01.08, 20:48h
Ornithologin Maiken Winter
Die deutsche Ornithologin Maiken Winter arbeitet an der Cornell-University in Ithaca/ New York. Am Samstag sprach sie im Umweltbundesamt über Folgen des Klimawandels. (MZ-Foto: L. Sebastian)
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Dessau/MZ. Der Film war eine Offenbarung für Maiken Winter. Dabei hatte die seit 1994 in den USA lebende deutsche Ornithologin sich schon während ihrer Kindheit mit Umweltschutz beschäftigt. Aber dass die Welt womöglich bald schon nicht mehr so aussehen würde, wie wir sie kennen? Das wurde ihr erst klar, als sie "Eine unbequeme Wahrheit" gesehen hatte, einen Film über Al Gore und seinen gleichnamigen Vortrag über den Klimawandel. "Ich wusste plötzlich, worum es ging."

Folgen für Deutschland

Am Sonnabend ist Maiken Winter Gast im Umweltbundesamt. "Unbequeme Wahrheiten und ihre Konsequenzen" lautet der Titel ihres Vortrages; und der lehnt sich nicht zufällig an den des Mannes an, der nach eigener Auskunft für kurze Zeit der nächste Präsident der USA war. Gores "Climate Project" hat angefangen, Botschafter der unbequemen Wahrheit auszubilden: Freiwillige, die die Gefahren des Klimawandels beschreiben. Mögliche Konsequenzen, aber ebenso Auswege aufzeigen.

Für ihren Vortrag nutzt Winter das Original, das sie aktualisiert und mit Informationen angereichert hat, indem sie die Folgen des Klimawandels für Deutschland beschreibt und Daten aus dem jüngsten Weltklimarat-Bericht aufnimmt und den Minimalkonsens der Klimaforscher widerspiegelt: Das Klima verändert sich schnell wie nie zuvor. Der Wandel ist vom Menschen gemacht. Die Minderheit, die das noch leugne, führe entweder keine wissenschaftlichen Belege für ihre Theorien an oder zitiere sich gegenseitig.

Indes: Die Komplexität des Themas erschwert es, einfache Ursache-Wirkungsketten aufzuzeigen. Ornithologin Winter, sie arbeitet an der Cornell-University in Ithaca / New York, macht dies am Beispiel von Vögeln deutlich.

Brut zu zeitig

Einerseits sind einst in Deutschland nur im warmen Südwesten anzutreffende Arten inzwischen auch weiter nördlich zu finden, wie etwa der Bienenfresser. Anderen Arten wie dem Trauerschnäpper bereiten die steigenden Temperaturen hingegen Probleme. Sie brüten, durch immer zeitiger einsetzenden Frühling dazu veranlasst, früher. Ihren Nachwuchs indes müssen sie aufziehen, wenn das Nahrungsangebot noch nicht in ausreichendem Maße verfügbar ist. Die Folge: manche Populationen des Trauerschnäppers sind um 90 Prozent eingebrochen. Solche Veränderungen könnten den Verlust von 20 bis 70 Prozent aller Arten bedeuten, sagt Winter und fügt weitere Beispiele für drohende Konsequenzen des Klimawandels an: Wasserknappheit, Überflutung von Küstenstreifen. Schon in fünf Jahren könnte die Arktis während des Sommers komplett eisfrei sein.

Die Szenarien könnten Anlass sein zu Fatalismus. Genau diesen will Winter nicht aufkommen lassen. Jeder könne etwas tun, sich fragen: "Brauche ich das wirklich?" (Der private Konsum, so eine Berechnung, trägt in Deutschland mehr zur Kohlendioxid-Belastung der Atmosphäre bei als die Heizung und Warmwassererzeugung). Man könnte sich Klimaschutzorganisationen anschließen und den Politikern Fragen stellen, warum etwa nicht noch mehr auf erneuerbare Energien gesetzt werde. Nur eines will Winter nicht: Verzicht verlangen. "Das würde nur abschrecken."


    
    
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