Überfall auf Schauspieler
Platzt Prozess wegen Schlamperei?
Ein Ermittlungsordner kam zwei Monate später an - Vier Männer wegen Körperverletzung vor Gericht
erstellt 09.01.08, 13:24h, aktualisiert 09.01.08, 20:43h

Ein Passant geht vor dem alten Klubhaus in Halberstadt an der Stelle vorbei, an der in der Nacht zum 9. Juni 2007 eine Gruppe Schauspieler von rechtsextremen Schlägern angegriffen und einige von ihnen zum Teil schwer verletzt wurden. (Foto: ddp)
Magdeburg/dpa. Erneute Panne bei den Ermittlungen zu dem rechtsextremen Übergriff auf eine Schauspielgruppe in Halberstadt im Juni 2007: Wie am Mittwoch im Prozess gegen vier Angeklagte in Magdeburg bekannt wurde, hat die Polizei erst Ende Dezember 2007 -
mehr als zwei Monate nach Verfahrensbeginn - eine Ermittlungsakte an die Staatsanwaltschaft übergeben. Der Ordner enthalte unter anderem
Zeugenaussagen und Auswertungen von Tatortspuren, sagte eine
Sprecherin des Landgerichtes Magdeburg. Nachdem der Vorsitzende
Richter den Verfahrensbeteiligten den Ordner zur Kenntnis gab, wurde der Prozess am Mittwoch unterbrochen. Am Nachmittag soll über das weitere Vorgehen entschieden werden.
Nach Aussagen einer Vertreterin der Opfer gab die
Staatsanwaltschaft an, der Ordner sei versehentlich in andere
Ermittlungsunterlagen zu dem Übergriff im Juni gelangt. Die
Staatsanwaltschaft habe die Unterlagen auch erst am 20. Dezember
erhalten.
Vor dem Amtsgericht Halberstadt müssen sich vier 22 bis 29 Jahre
alten Männer wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie sollen die Schauspieler am 9. Juni brutal angegriffen haben, weil sie diese dem linken Spektrum zurechneten. Fünf Darsteller des Nordharzer Städtebundtheaters wurden schwer verletzt. Nach der Tat räumte die Polizei Fehler und Pannen bei den Ermittlungen ein. So wurde der 22 Jahre alte mutmaßliche Haupttäter zunächst laufengelassen. Seit Dezember sind die Angeklagten auf freiem Fuß, es besteht nach Meinung des Gerichts kein dringender Tatverdacht mehr.



































