Dessau-Roßlau
30 Menschen erinnern an Tod von Oury Jalloh
Asylbewerber soll am 7. Januar 2005 trotz Fesselung ein Feuer in Zelle entfacht haben
erstellt 07.01.08, 14:59h, aktualisiert 07.01.08, 17:52h

Anlässlich des dritten Todestages von Oury Jalloh stellt eine Frau am Montag eine Kerze vor eine Polizeiwache in Dessau-Roßlau. (Foto: dpa)
Dessau/ddp. Drei Jahre nach dem Tod des Asylbewerbers Oury
Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle haben am Montag Dutzende Bürger
sowie Vertreter afrikanischer Menschenrechtsinitiativen an das
Schicksal des Mannes erinnert. Vor dem Dessauer Polizeirevier, in dem
der Mann aus Sierra Leona am 7. Januar 2005 ums Leben kam,
versammelten sich etwa 30 Demonstranten. Sie legten Blumen nieder,
entzündeten Kerzen und bildeten mit Lichtern den Schriftzug «Oury».
An der von der Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer Gewalt und
den Grünen in Sachsen-Anhalt organisierten Veranstaltung nahm
erstmals auch die Polizeispitze der neuen Direktion Ost teil. Am
Nachmittag zogen rund 150 Afrikaner durch die Innenstadt.
Jalloh war vor drei Jahren nach Ausbruch eines Feuers in einer
Zelle des Dessauer Polizeireviers gestorben. Der zuvor wegen
Belästigung festgenommene Asylbewerber soll die Matratze seiner Zelle
angezündet haben, obwohl er an Händen und Beinen gefesselt war. Eine
Rekonstruktion der Fesselung ergab, dass der Afrikaner für das
Entzünden des Feuers genügend Bewegungsfreiheit hatte.
Wegen dieses Falls müssen sich seit neun Monaten zwei Polizisten
vor Gericht verantworten. Dem ehemaligen Dienstgruppenleiter und
einem weiteren Polizisten werden Körperverletzung mit Todesfolge und
fahrlässige Tötung vorgeworfen. Sie sollen zu spät auf Signale des
Rauchmelders aus dem Verwahrraum reagiert beziehungsweise bei der
Durchsuchung des Afrikaners ein Feuerzeug übersehen haben. Ein Ende
des Verfahrens ist vorerst nicht in Sicht.
Während der Demonstration riefen die Teilnehmer: «Oury Jalloh -das war Mord.» Auf Transparenten forderten sie, die Tat dürfe nicht
vertuscht werden. Die Demonstranten beklagten auch den aus ihrer
Sicht fehlenden Schutz von Afrikanern in Deutschland und forderten
eine lückenlose Aufklärung des Todes des Asylbewerbers. Vor dem
Landgericht Dessau verlangten die Teilnehmer ein schnelles Urteil.
Dort verharrten sie auch in einer Schweigeminute.
Der Präsident der neuen Polizeidirektion Ost, Karl-Heinz Willberg,
wollte mit seiner Teilnahme an der Gedenkfeier vor der Wache ein
Zeichen setzen und «sich der Diskussion stellen», wie er sagte. Es
mache ihn traurig und betroffen, dass damals ein Mensch ums Leben
gekommen ist, der «sich in unserer Obhut befand».
Grünen-Landeschef Christoph Erdmenger sagte mit Blick auf die
Kritik seiner Partei an der Arbeit der Polizei, inzwischen habe sich
ein konstruktiver Dialog mit der Polizei einwickelt. Dessaus
Oberbürgermeister Klemens Koschig (parteilos) äußerte Verständnis für
den Unmut der Betroffenen über die lange Dauer des Prozesses.
Der Leiter des Dessauer Bündnisses gegen Rechtsextremismus, Günter
Donath, rief die Einwohner der Stadt auf, jedem Anzeichen von
Fremdenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten. Er sei entsetzt,
dass sich die juristische Aufarbeitung des Falles so lange hinziehe.












































